Die Fruchtbarkeit der Kühe zu steigern oder konstant auf hohem Niveau zu halten ist entscheidend für den langfristigen Erfolg eines landwirtschaftlichen Betriebs: Jedes neu geborene Kalb steht für zukünftige Erträge und stärkt Ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Durch eine gute Fruchtbarkeit werden die Nachzucht, die regelmäßige Milchproduktion sowie die effiziente Fleischerzeugung sichergestellt. Ohne eine optimale Erzeugung von gesunden, starken Kälbern entstehen für den landwirtschaftlichen Betrieb auf Dauer Ertragsausfälle in verschiedensten Bereichen, während gleichzeitig die fixen Haltungskosten langfristig auf weniger Tiere verteilt werden können.
Dabei ist die Fruchtbarkeit der Kühe grundsätzlich ein ganz natürlicher Vorgang. Tiere vermehren sich, wenn die geeigneten Bedingungen erfüllt sind. Doch im Gegensatz zu Tieren in freier Wildbahn ist es in der Nutztierhaltung möglich, genau diese Bedingungen optimal zu gestalten. Und als Landwirt sollten Sie natürlich ein besonders großes Interesse daran haben! Umso wichtiger ist es, die entscheidenden Faktoren zu kennen, ihr Zusammenwirken zu verstehen und für den eigenen Betrieb die richtigen Maßnahmen umzusetzen.

In einem Satz: Für eine gute Fruchtbarkeit der Kühe zu sorgen ist eine der wesentlichen Aufgaben für Sie als Landwirt, um Ihren Betrieb wirtschaftlich effizient zu führen. In unserem Blog möchten wir Sie über die wichtigsten Faktoren zur Fruchtbarkeit der Kühe informieren und Ihnen damit helfen, mit Ihrem Betrieb erfolgreich zu bleiben.

Diese Themen behandeln wir in diesem Beitrag:
  • Fruchtbarkeit und Kalbungen der Kuh sind ausschlaggebend für den Betriebserfolg
  • 21 Tage Brunstzyklus beim Rind ist entscheidend für die Trächtigkeit
  • Verschiedene Hormone steuern den Brunstzyklus der Kuh
  • Durch Brunsterkennung bei der Kuh optimalen Besamungszeitpunkt ermitteln
  • Körperliche Verfassung der Kuh ist wichtig für Fruchtbarkeit
  • Stress und mangelhafte Fütterung senken die Fruchtbarkeit der Kuh
  • Fruchtbarkeitsüberwachung für die Herde: Daten erfassen, Fruchtbarkeitskennzahlen analysieren und anhand dessen Managemententscheidungen treffen.

Brunstzyklus: Worauf basiert die Fruchtbarkeit der Kühe?

Die Fruchtbarkeit der Kühe basiert auf dem natürlichen Brunstzyklus der Tiere. Dieser komplexe Vorgang verläuft beim Rind im Zeitraum von ca. 21 Tagen. Während dieser Zeit sorgen verschiedene Hormone im Körper der Kuh dafür, dass die biologischen Abläufe gesteuert werden, sodass sich eine befruchtete Eizelle einnisten kann und die Kuh trächtig wird.

Im Prinzip beginnt ein neuer Brunstzyklus mit der Nachbrunst, also dem ersten Tag nach einer vorhergehenden Brunst. An diesem ersten Tag der Nachbrunst kommt es bereits zum Eisprung.

Der weibliche Brunstzyklus wird in vier Abschnitte unterteilt:

1. Tag → Brunst (Östrus)
Für etwa 12 bis 36 Stunden findet eine maximale Ausbildung der Brunstsymptome wie Aufspringen, Duldung des Aufsprunges („Stehen“) und Abgang von Brunstschleim, ausgelöst durch die hohe Ausschüttung von Östrogenen, statt.

2. bis 4. Tag → Nachbrunst (Postöstrus)
Die Symptome der vorhergehenden Brunst klingen ab: der Aufsprung durch andere Kühe in der Herde wird nicht mehr geduldet. Die Ovulation ereignet sich im Durchschnitt 30 Stunden nach Beginn der Brunstsymptome.
Aus dem Follikel bildet sich der Gelbkörper (Corpus luteum), der für die Produktion von Progesteron verantwortlich ist. Die Eizelle wird in den Eileiter aufgenommen, in dem die Befruchtung durch Spermien stattfinden kann.

5. bis 18. Tag → Zwischenbrunst (Diöstrus/Interöstrus)
Phase der sexuellen Ruhe, während gleichzeitig der Gelbkörper verstärkt Progesteron produziert, um die mögliche Trächtigkeit aufrechtzuhalten („Trächtigkeitsschutzhormon“). Fand jedoch in der vorhergehenden Brunst keine Besamung und Befruchtung der Eizelle statt, löst sich der Gelbkörper unter Einfluss des Hormons Prostaglandin F 2α auf. In den Eierstöcken reifen inzwischen neue Follikel mit Eizellen für den nächsten Eisprung bzw. zukünftigen Brunstzyklus heran.

19. bis 21. Tag → Vorbrunst (Proöstrus)
Mit Auflösung des Gelbkörpers beginnt die Vorbrunst. Die Tiere zeigen die typischen Brunstsymptome wie Schwellung der Vulva, Bespringen, aber noch nicht die Duldung des Aufspringens. Gleichzeitig werden verstärkt die Hormone GnRH (Gonadotropin-Releasing Hormon), FSH (Follikelstimulierendes Hormon) und LH (Luteinisierendes Hormon) gebildet und ausgeschüttet, um die Entwicklung des neuen Follikels bis zum Eisprung zu steuern.

Der optimale Zeitpunkt zur Besamung ist ca. 8 Stunden nach Beginn der Brunst.

Kuh leckt frisch geborenes Kalb ab

Brunstverhalten der Kuh: Welche Anzeichen sind in Vorbrunst und Brunst erkennbar?

Die zwei bis drei Tage der Vorbrunst und Brunst sind entscheidend, um den richtigen Zeitpunkt für die künstliche Besamung festzustellen. Nur wenn die brünstigen Kühe rechtzeitig erkannt werden, kann eine hoher Erstbesamungserfolg erreicht werden. Daher gilt es, bereits die Anzeichen in der Brunst zu erkennen. Die Brunstbeobachtung sollte im optimalen Fall drei- bis viermal jeweils für 20 Minuten täglich fest eingeplant werden. So können auch Kühe mit nur schwach ausgeprägten Brunstsymptomen mit höherer Wahrscheinlichkeit erkannt werden. Je besser die Brunstbeobachtung und Brunsterkennungsrate, umso erfolgreicher sind Erstbesamungsrate und mögliche Trächtigkeit.

Die wichtigsten Anzeichen bei der Kuh in der Vorbrunst:

  • Höherer Bewegungsdrang
  • Tiere sind aufmerksamer und suchen Kontakt
  • Schnuppern an der Scham anderer Kühe
  • Auflegen des Kopfes
  • Aufspringversuche
  • „Besprungen werden“ wird noch nicht geduldet
  • Abstehen des Schwanzes
  • Distanz auch zu Menschen verringert sich, Tiere sind neugieriger

Die wichtigsten Anzeichen bei der Kuh in der Brunst:

  • Aufspringverhalten
  • Duldungsreflex, die Tiere „stehen“ und lassen sich oft nicht von ihrem Standplatz bewegen
  • Deutliches Ohrenspiel
  • Leicht erhöhte Schwanzhaltung sowie Durchbiegen des Rückens
  • Flehmen und Wittern
  • Schamlippen sind glatt und geschwollen
  • Brunstschleim an Scham, Schwanz und ggf. Sitzbeinhöcker

Wie wird das Brunstverhalten der Kuh beeinflusst?

Das Brunstverhalten der Kühe wird im Wesentlichen von vier Faktoren direkt beeinflusst: Hormone, Pheromone, Tageszeit und Stress. Hormone wie Östrogene, Progesteron und GnRH wirken direkt auf den Brunstzyklus und auf das Brunstverhalten. Mehr dazu in unserem Beitrag zu den wichtigsten Fruchtbarkeitshormonen der Kuh sowie in den Artikeln zu Progesteron bei Kühen und zum Einsatz von GnRH bei Kühen.

Pheromone dienen der Signalvermittlung unter den Tieren, um spezifische Reaktionen zu bewirken. Sie sind chemische Botenstoffe, die in Körperflüssigkeiten, Hautausscheidungen und Atemluft vorkommen und über den Geruchsinn wahrgenommen werden. Auch Nachbartiere können so zur Brunst „angesteckt“ werden.

Im tageszeitlichen Verlauf sind die Kühe vor allem in der Zeit um etwa 18 Uhr abends und 6 Uhr morgens vermehrt brünstig, dennoch sollte man die Brunstbeobachtung während des Tages nicht vernachlässigen. Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor ist das Umfeld: Wird die Kuh stark belastet und gestresst, kann das Brunstverhalten vermindert oder sogar völlig unterdrückt werden.

Braune Kuh liegend auf der Weide

Fruchtbarkeit steigern und steuern: Kuh und Herde überwachen.

Die Fruchtbarkeit ist genau genommen vor allem ein Merkmal, das weniger erblich als vielmehr in Abhängigkeit von den Umweltfaktoren zu betrachten ist. Ist zunächst primär die Selbsterhaltung des Tieres gesichert, ist das Tier auch bereit, zur Arterhaltung beizutragen. Daher liegt es vor allem an den Umständen in einem landwirtschaftlichen Betrieb, ob eine gute Fruchtbarkeit der Tiere erzielt werden kann.

Der Überwachung der Fruchtbarkeit und dem Fruchtbarkeitsmanagement kommt daher eine besondere Bedeutung zu – selbstverständlich in enger Zusammenarbeit mit dem Hoftierarzt und Besamungstechnikern.

Grundlage für die Beurteilung der Fruchtbarkeit eines Rinderbestandes sind verschiedene Kennzahlen bzw. Parameter, wie zum Beispiel Zwischenkalbezeit, Rastzeit, Güstzeit, freiwillige Wartezeit sowie abgeleitete Werte (z.B. Abkalberate). Eine Auswahl der wichtigsten Kennzahlen finden Sie weiter unten im nächsten Abschnitt.

Um ein sinnvolles Fruchtbarkeitsmanagement durchführen zu können, müssen diese entsprechenden Daten sogfältig erfasst und ausgewertet werden, sei es über eine Stalldokumentation oder durch ein auf die Fruchtbarkeitsüberwachung spezialisiertes EDV-System. Je vollständiger und korrekter die Daten sind, umso besser können die richtigen Schlüsse für das Fruchtbarkeitsmanagement gezogen werden.

Basis für die Datenerfassung ist wiederum die regelmäßige und vollständige Kontrolle der Einzeltiere, insbesondere Brunstkontrolle, Feststellung des Besamungserfolgs bzw. Trächtigkeitsuntersuchung, Sterilitätsuntersuchungen sowie Puerperalkontrollen nach der Abkalbung.

Werden die Fruchtbarkeitsparameter permanent erhoben und ausgewertet, können die Werte des eigenen Betriebs mit den üblichen Erwartungswerten abgeglichen und mögliche Fruchtbarkeitsstörungen frühzeitig erkannt werden.

Fruchtbarkeit beim Rind messen: wichtige Kennzahlen für die Planung.

Um die Fruchtbarkeit der Kühe im eigenen landwirtschaftlichen Betrieb optimal bewerten und planen zu können, sollten man mit den wichtigsten Kennzahlen vertraut sein. Hier eine kurze Übersicht:

Zwischenkalbezeit (ZKZ)
Zeitraum, der bei der Kuh zwischen zwei Kalbungen vergeht. Man geht in der Regel von einer ZKZ von etwa 12 bis 13 Monaten, also 365 bis 395 Tagen aus. Freiwillige Wartezeit, Rast- und Güstzeit wirken sich auf die ZKZ aus. In der Auswertung kann man die durchschnittliche ZKZ in einer Herde ermitteln. Je niedriger die ZKZ ist, umso wirtschaftlicher arbeitet der Betrieb. Unter Einschätzung der Milchleistung beim Trockenstellen kann die ZKZ angepasst werden, deshalb ist es nicht ungewöhnlich, dass bei Milchviehherden mit hoher Milchleistung eine ZKZ von 14 Monaten als normal angesehen wird. Dennoch sollte man auch die einzelnen Tiere betrachten, evtl. einzelne hohe Abweichungen feststellen und die Ursachen ermitteln.

Rastzeit (RZ)
Als Rastzeit wird der Zeitraum von der Abkalbung bis zur ersten Besamung bezeichnet. Die Rastzeit wird von der freiwilligen Wartezeit und von der Brunstbeobachtung beeinflusst.

Güstzeit (GZ)
Der Zeitraum zwischen der Abkalbung und dem ersten Trächtigkeitstag wird als Güstzeit bezeichnet. Die Güstzeit sollte zwischen 85 und 115 Tagen liegen, um eine ZKZ von 12 bis 13 Monaten erreichen zu können. Rastzeit sowie Besamungserfolg beeinflussen die Güstzeit.

Freiwillige Wartezeit (FWZ)
Die freiwillige Wartezeit ist der Zeitraum nach der Abkalbung ohne Wiederbelegung. Die FWZ sollte etwa 45 bis 70 Tage betragen. Ist die FWZ zu kurz, sinkt in der Regel die Konzeptionsrate. Ist die FWZ zu lang, ist eine ZKZ von 12 bis 13 Monaten nicht mehr erreichbar.

Brunsterkennungsrate (BER)
Anteil der brünstigen Tiere, die tatsächlich als brünstig erkannt worden sind.

Brunstnutzungsrate (BNR)
Anteil der besamten Tiere innerhalb von 21 Tagen nach Ablauf der freiwilligen Wartezeit. Die optimale BNR sollte mindestens 80 % betragen.

Erstbesamungserfolg (EBE)
Anteil der Tiere in Prozent, die nach der ersten Besamung tragend sind. Anzustreben ist ein EBE von 50 bis 55 %.

Abkalberate (AR)
Prozentualer Anteil der Geburten unter den belegten Tieren. Die AR sollte möglichst über 90 % liegen.

3 Milchkühe auf der Weide

Ursachen für Fruchtbarkeitsstörungen in der Herde.

Werden die Richtwerte der Fruchtbarkeitsparameter im eigenen Bestand regelmäßig nicht erreicht, kann von einer Herdenfruchtbarkeitsstörung gesprochen werden. Den Ursachen sollte unbedingt nachgegangen werden, da sonst auf Dauer der wirtschaftliche Erfolg des Betriebs gefährdet wird.

Zur Auswertung sind vor allem Trächtigkeitsrate aus Erstbesamung, Gesamtträchtigkeitsrate, Güstzeit und Verzögerungszeit heranzuziehen. Die Ursachen für die Fruchtbarkeitsstörungen in der Herde können entsprechend vielfältig sein. Meistens liegen sie tatsächlich vor allem im Management der Reproduktion. Nicht optimale Fütterung sind ebenfalls sehr häufig ein Grund. Oft muss man auch vom Zusammenwirken mehrerer Faktoren ausgehen, Einzelursachen sind eher ungewöhnlich. Hinzu kommen tiergesundheitliche Mängel, die jedoch nicht immer direkt auf die Herdenfruchtbarkeitsleistung übertragen werden können.

Die häufigsten Ursachen für Fruchtbarkeitsstörungen im Überblick:

  • Organisatorische Fehler in der Reproduktion
Zum Beispiel unzureichende Kontrollen wie Puerperalkontrollen und nicht regelmäßig durchgeführte Trächtigkeitsuntersuchungen.

  • Zu kurze Rastzeit
Vor dem 42. Tag nach der vorangegangenen Geburt sind künstliche Besamungen oft nicht erfolgreich.

  • Unzureichende Brunstbeobachtung und Brunstkontrolle
Wird die Brunstüberwachung nicht intensiv durchgeführt, werden schwach brünstige Kühe leicht übersehen und optimale Besamungstermine verpasst.

  • Fehler bei der künstlichen Besamung
Die künstliche Besamung muss korrekt durchgeführt werden, von der Voruntersuchung der Tiere über die Spermahandhabung bis zur Besamungshygiene.

  • Fütterungs- und Haltungsfehler
Unzureichende Energie- und Nährstoffversorgung der Tiere sowie Stress in der Futteraufnahme und Haltung insgesamt wirken sich negativ auf die Fruchtbarkeit aus.

  • Erregerbedingte Störungen der Fruchtbarkeit
Lückenhafte Gesundheitsüberwachung der Tiere ermöglicht die unentdeckte Ausbreitung von Erkrankungen, die die Fruchtbarkeit beeinflussen.

Fruchtbarkeit der Kuh verbessern: Optimale Verfassung und Futteraufnahme beachten.

Wie schon eben zu lesen war, beeinflussen viele Faktoren die Fruchtbarkeit der Kühe im Einzelnen und in der Herde. Energie- und Nährstoffversorgung, Stressfaktoren und allgemeine Konstitution bzw. Gesundheit sind Faktoren, die Sie in Ihrem Betrieb direkt beeinflussen können. Die wichtigsten Faktoren hier kurz im Überblick:

Energiebedarf der Kühe berücksichtigen
Während Laktation, Spätlaktation, Trockenstehphase oder auch nach der Kalbung haben die Kühe unterschiedliche Energiebedarfe, die bei der Fütterung berücksichtigt werden sollten, damit die Kühe in optimaler körperlicher Konstitution bleiben. Hilfreich, um Veränderungen in der Körperkondition zu ermitteln sind die Messung der Rückenfettdicke oder des Body Condition Score (BCS).

Futterqualität und Futteraufnahme beachten
Das bereitgestellte Futter sollte hochwertig und nicht verunreinigt sein. Schimmelbildung im Futter ist zu vermeiden. Darüber hinaus sollten alle Tiere guten Zugang zu den Futterquellen haben.

Stresssituationen sind zu vermeiden
Ob bei Haltung der Tiere in der Herde allgemein oder speziell bei der Futteraufnahme: Stresssituationen sollten vermieden werden. Überbelegungen oder Konkurrenz an den Futterstellen wirken negativ auf die Fruchtbarkeit.

Abkalbeboxen nutzen
Abkalbeboxen für die hochträchtigen Tiere sorgen für Ruhe und weniger Stress für die Kuh. Gleichzeitig sind hygienische und gesunderhaltende Maßnahmen hier besser durchführbar.

Mehr über Faktoren, die die Fruchtbarkeit der Kuh beeinflussen, lesen Sie in einem weiteren Artikel.

Kühe wiederkäuend auf Weide

Wirtschaftliche Folgen: Gute Fruchtbarkeit der Kühe steigert den Betriebserfolg.

Die Fruchtbarkeit der Kühe im Betrieb ist wirtschaftlich von hoher Bedeutung. Ohne die Erzeugung von Kälbern gibt es keine Nachzucht, keine erfolgreiche Milchproduktion und auch keine Fleischerzeugung. Bewertet werden kann die Fruchtbarkeitsleistung insbesondere über drei Parameter:

  • Abkalberate - Anteil der kalbenden Kühe in einer Herde
  • Laktationen - Zahl der erzielten Laktationen des Einzeltiers
  • Lebenseffektivität - Milchleistung pro Lebenstag (Aufzucht und produktive Phase). Richtwert: 15 kg Milch pro Lebenstag.

Geringe Abkalberaten und zu lange ZKZ führen zu einer verminderten Kälbererzeugung und niedrigerer Milchleistung. Eine längere ZKZ lässt zwar zunächst absolut die Laktationsleistung steigen, in Umrechnung auf vergleichbare Zeiträume fällt die Gesamtmilchleistung jedoch unterm Strich geringer aus.

Unfruchtbare Kühe schlagen besonders negativ zu Buche, vor allem bei bisher leistungsstarken Kühen. Es entstehen Bestandsergänzungskosten, die vom Schlachterlös nicht wettgemacht werden. Zudem neigen Erstkalbinnen eher zu Geburtsstörungen, Kälberverlusten und die Erstlaktationsleistung fällt meist geringer aus.

Für die Kostendeckung der Haltungskosten einer Kuh von der Geburt bis zur ersten Abkalbung ist daher die Anzahl der Laktationen besonders wichtig. Je höher die Geburtenzahl umso stärker werden die Aufzuchtkosten verteilt.

Unser Fazit: Fruchtbarkeit beim Rind – ganz natürlich unter optimalen Bedingungen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Fruchtbarkeit der Kühe ist einerseits die natürlichste Sache der Welt – Fortpflanzung ist auch bei den Tieren in der Nutztierhaltung grundsätzlich ein völlig artgerechter Vorgang. Doch selbst bei Wildtieren in freier Natur geschieht eine erfolgreiche Fortpflanzung nur unter optimalen Bedingungen. Nahrungsknappheit oder Schwächungen durch Krankheiten beeinflussen auch dort die Vermehrung.

In der Nutztierhaltung liegt es daher ganz besonders an uns und an der Organisation im landwirtschaftlichen Betrieb, die optimalen Bedingungen für die Tiere zu schaffen. Wir müssen uns der künstlichen Umgebung für die Tiere bewusst sein und sollten die vielen Faktoren, die die Fruchtbarkeit der Kühe beeinflussen, genau kennen – von der bestmöglichen Haltung der Tiere mit möglichst wenig Stress über die optimale Futteraufnahme bis hin zur Unterstützung der biologischen und hormonellen Abläufe.

Entscheidend ist dann das Zusammenwirken dieser Faktoren: Im landwirtschaftlichen Betrieb ist es wichtig, gegenseitigen Abhängigkeiten der Faktoren zu kennen, sie für die eigene Rinderhaltung zu beurteilen und die richtigen Maßnahmen in die Tat umzusetzen. Als kompetenter und erfahrener Landwirt sind Sie für die Fruchtbarkeit der Kühe in Ihrer Herde verantwortlich – und somit letztendlich auch entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg Ihres Betriebs!

Lesen Sie zum Thema auch die weiteren Beiträge zu den Fruchtbarkeitshormonen der Kuh, zu Einflussfaktoren der Fruchtbarkeit, Progesteron bei Kühen und zum Einsatz von GnRH bei Kühen.