Kälberdurchfall oder auch Neugeborenendurchfall bzw. medizinisch „neonatale Diarrhö“ (ND) ist heute die häufigste Jungtiererkrankung. Sie tritt vor allem in den ersten zwei bis drei Lebenswochen auf, oft bestandsweise gehäuft.

Als typische Faktorenkrankheit mit verschiedenen Ursachen sollte Kälberdurchfall auf jeden Fall sofort behandelt werden, um die Gefährdung des Einzeltiers bis hin zum Verenden zu verhindern und die Ausbreitung der Erkrankung im Bestand schnell einzudämmen. Auch beim Kälberdurchfall sollten Sie unbedingt rechtzeitig Ihren Hoftierarzt hinzuziehen!

  • Kälberdurchfall: Symptome am Kot und im Verhalten der Tiere erkennen
  • Kälberdurchfall im Bestand: erste Maßnahmen sofort einleiten!
  • Kälberdurchfall vorbeugen: 4 Maßnahmen gegen Kälberdurchfall

Kälberdurchfall Ursachen: infektiöse und nicht-infektiöse Faktoren

Kälberdurchfall ist eine typische Faktorenkrankheit. So gibt es nicht nur einen speziellen Auslöser für die Erkrankung, sondern meistens wirken mehrere Faktoren zusammen. Beim Kälberdurchfall unterscheidet man infektiöse und nicht-infektiöse Ursachen.

Infektiöse Ursachen von Kälberdurchfall:
Zu den infektiösen Ursachen gehören verschiedene Viren, Bakterien und Parasiten, insbesondere Rotaviren und Coronaviren sowie enteropathogene Escherichia coli und Kryptosporidien. Weiterhin können auch Kokzidien (parasitierende Einzeller) und Magen-Darm-Würmer je nach Befallstärke Kälberdurchfall auslösen. Häufig sind es in der Praxis Mischinfektionen. Ein spezieller Erregernachweis ist nur sinnvoll, wenn es eine Problematik im gesamten Bestand gibt.


Nicht-infektiöse Ursachen von Kälberdurchfall:
Nicht-infektiöse Ursachen können zum Beispiel Fehler beim Tränken sein, wenn pro Mahlzeit zu große Milchmengen aufgenommen werden. Weiterhin können auch Kokzidien (parasitierende Einzeller) und Magen-Darm-Würmer je nach Befallstärke Kälberdurchfall auslösen.

Weitere Einflussfaktoren können Kälberdurchfall begünstigen. Ein sehr wichtiger Punkt ist hierbei die ungenügende Biestmilchversorgung der neugeborenen Kälber. Außerdem können mangelnde Hygiene und hohe Besatzdichte den Infektionsdruck erhöhen, Stressfaktoren das Immunsystem schwächen und schlechte Haltungsbedingungen zum Ausbruch von Kälberdurchfall beitragen.

Kälberdurchfall Symptome: Kot und verändertes Verhalten der Tiere

Die Symptome für Kälberdurchfall sowie die Schwere der Erkrankung sind sehr schnell und eindeutig vor allem am Kot der Tiere zu erkennen. Hinzu kommt ein verändertes Verhalten der Tiere, das durch den Wasserverlust und Grad der Austrocknung gekennzeichnet ist. Behalten Sie Ihre Kälber immer im Blick!

Symptome für Kälberdurchfall am Kot:
  • Erste Anzeichen: Der Kot ist dünner und schmieriger, gelblich und nur wenig geformt.
  • Durchfall: Der Kot ist von suppenartiger Konsistenz, weiterhin gelblich und bleibt noch auf der Einstreu liegen.
  • Schwerer Durchfall: der Kot ist jetzt wässrig und fließt vom Stroh ab.

Symptome für Kälberdurchfall im Verhalten:
  • Leichte Austrocknung: Kalb steht und hat weiterhin Durst, eine Hautfalte verstreicht sofort
  • Mittlere Austrocknung: Kalb liegt und hat reduzierten Durst, Hautfaltungen verstreichen langsam
  • Hohe Austrocknung: Kalb liegt fest, kalte Ohren und Gliedmaßen, Verweigerung der Tränke, Hautfalten bleiben stehen, eingefallene Augen

Kalb zusammengekauert im Iglu



Kälberdurchfall im Bestand: Was ist zu tun?

Kälberdurchfall sollte unbedingt schnell erkannt und behandelt werden, um eine akute Gefährdung des Tieres, Verbreitung der Erreger und mögliche Folgeschäden zu verhindern.

  • Erkrankte Tiere isolieren
Zunächst gilt es, betroffene Tiere von der Gruppe zu trennen, um die Weiterverbreitung zu stoppen. Tritt der Durchfall schon gehäuft bei vielen Tieren auf, sollte der Tierarzt hinzugezogen werden, um ggf. den Erreger zu bestimmen und eine spezielle Behandlung einzuleiten.

  • Erste Maßnahmen bei leichter Erkrankung
Ist der Durchfall noch leicht, der Kot also noch schmierig und gelblich, das Kalb noch stehend und durstig und Hautfalten verstreichen sofort, sollten die Milchtränken kontrolliert beibehalten werden. Ergänzt werden sollten jetzt Elektrolyttränken, um den Flüssigkeits- und Nährstoffverlust auszugleichen – mehrmals täglich in kleineren Portionen. Achten Sie besonders auf optimale Milchtemperatur und hygienische Tränkeeimer! Verhalten und Temperatur der Tiere jetzt regelmäßig sorgfältig kontrollieren!

  • Fortschreitender Verlauf: Tierarzt hinzuziehen!
Zeigen die ersten Maßnahmen keine Wirkung, ziehen Sie Ihren Tierarzt hinzu! Liegende und festliegende Tiere mit wässrigem Kot, reduziertem Durst oder Verweigerung der Tränke sind jetzt besonders gefährdet! Der Tierarzt kann zum Beispiel durch Infusionen den Verlust der Flüssigkeit ausgleichen und weitere medikamentöse Maßnahmen einleiten.

Folgeschäden von Kälberdurchfall verhindern!

Kälberdurchfall ist nicht nur eine akute Erkrankung, sondern zieht in der Regel auch Folgeschäden nach sich, die die Wirtschaftlichkeit Ihres Betriebs negativ beeinflussen.

Erkrankungen sollten schnell eingedämmt und schwere Verläufe unbedingt verhindert werden, um höhere Behandlungskosten und Kosten durch Totalverluste zu senken. An Kälberdurchfall erkrankte Tiere haben deutlich verringerte Tageszunahmen, die sich langfristig auf die Leistung auswirken.

Festgestellt wurde zum Beispiel auch ein Zusammenhang zwischen der Erkrankungshäufigkeit im Kalbealter und Abgangsraten: Bei Tieren, die dreimal oder öfter erkrankt waren, liegen die Abgänge bei über 50 %!1

Kälberdurchfall vorbeugen: 4 Maßnahmen gegen Kälberdurchfall.

Vorbeugen ist immer besser, als mit den Folgen von Kälberdurchfall im Bestand zu kämpfen. Insbesondere mit 4 Maßnahmen sollte es gelingen, die Erkrankungen an Kälberdurchfall wirksam zu verringern und Ausweitungen auf den Bestand ganz zu vermeiden:

1. Optimale Kolostrumversorgung

Die Biestmilch ist das Beste, was Sie Ihren neugeborenen Kälbern geben können. Stellen Sie die ausreichende Versorgung in guter Qualität sicher, möglichst 4 Liter oder mehr in den ersten 6 Stunden nach der Geburt.

Sehen Sie sich zu diesem Thema auch unsere Tipps zum Kolostrum-Management an. 

2. Gründliche Hygiene

Sorgen Sie für Sauberkeit im Stall: saubere Abkalbeboxen, eigene Tränkeeimer sowie trockene, zugfreie und saubere Haltungsbedingungen sollten Standard sein! Reinigung und Desinfektion sollten mit Mitteln durchgeführt werden, die gegen Viren, Bakterien und Endoparasiten wirken.

3. Einzelaufstallung nutzen

Kälberboxen, fahrbare Einzelboxen und Iglus sind einer Gruppenhaltung vorzuziehen, um gegenseitige Ansteckungen der Kälber zu vermeiden.

4. Impfung des Muttertiers

Durch die Impfung der Kuh vor der Geburt enthält das Kolostrum eine noch höhere Zahl an Antikörpern im Kolostrum. Der Erfolg ist dann allerdings abhängig von der optimalen Qualität und Aufnahme der Biestmilch.

Kälberdurchfall und weitere Kälberkrankheiten verhindern!

Bleiben Sie wachsam: Auch für Kälberdurchfall gilt, dass die konsequente tägliche Beobachtung der Tiere von entscheidender Bedeutung ist. Nur so können erste Anzeichen von Erkrankungen sofort erkannt und schnell erfolgreiche Maßnahmen eingeleitet werden. Arbeiten Sie immer eng mit Ihrem Hoftierarzt zusammen, es lohnt sich – auch im Hinblick auf andere Kälberkrankheiten!

Mehr zum Thema Kälberkrankheiten erfahren Sie dazu auch in unserem Hauptartikel. Lesen Sie auch gerne unsere Beiträge zur Kälbergrippe sowie zu Nabelinfektionen und Ohrenentzündungen beim Kalb.


Quellen:

1 Untersuchung von Trilk und Münch, 2008