Das Tierwohl ihrer Kühe und Kälber ist den Landwirten wichtig.

Nicht, weil der Druck durch die Öffentlichkeit immer höher wird, sondern aus bedingungsloser Tierliebe und weil man heute besser als früher weiß, dass Rinder, denen es gut geht, bessere Leistung bringen können. Leider sind Schmerzen bei Rindern nicht leicht zu erkennen. Da Rinder Fluchttiere sind, sind sie in ihrem Verhalten sehr stoisch und zeigen selten oder nur in schweren Fällen Schmerzanzeichen, die wir wahrnehmen können. Das ist aus Sicht der Natur sinnvoll, da sie ihrem Angreifer nicht signalisieren wollen: „Ich bin schwach, mit mir hast du eine leichte Beute.“ 

Schmerzen bei Kälbern und Kühen zu erkennen ist eine extrem schwierige Angelegenheit. Neben dem Auftreten von Schmerzen, ist die Schmerzintensität noch viel schwieriger wahrzunehmen. Denn sie können es uns nun mal nicht einfach sagen. 
Der Einsatz von Schmerzmitteln beim Rind ist nicht nur aus betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll, sondern er sollte auch zum Wohle der Tiere Standard sein. 

In diesem Artikel erfahren Sie: 
  • Was bewirken Schmerzmittel beim Rind?
  • Bei welchen Erkrankungen sollten Schmerzmittel eingesetzt werden?
  • Welche Vorteile der Einsatz von Schmerzmitteln beim Rind bietet

Schmerzmittel wirken nicht nur schmerzlindernd

Schmerzmittel nehmen zum einen natürlich den Schmerz, so dass die Tiere sich wieder besser fühlen. Dadurch erhöhen sie auch die Leistung, da Tiere mit weniger Schmerzen schneller wieder zum Fressen kommen und sich das Verhalten früher normalisiert als ohne Schmerzmittel. 
Neben den offensichtlichen Vorteilen für das Tierwohl gibt es auch noch andere triftige Gründe, warum man Rindern Schmerzmittel verabreichen sollte.

Denn Schmerzmittel kann mehr!

Schmerzmittel im Tierbereich beinhalten sehr ähnliche Wirkstoffe wie die in der Humanmedizin. Jeder von Ihnen kennt Aspirin oder Ibuprofen. Diese Schmerzmittel werden als Nicht-steroidale Antiphlogistika (NSAIDs) bezeichnet und haben mehr zu bieten als nur den Schmerz zu reduzieren. 

NSAIDs können auch Fieber senken und Entzündungen reduzieren

Die verschiedenen Wirkstoffe wirken unterschiedlich stark als Schmerzmittel, aber auch als Entzündungshemmer und Fiebersenker. Da infektiöse Erkrankungen wie Rindergrippe, Durchfall oder Mastitis oft mit Fieber einhergehen, ist ihr Einsatz hier in vielerlei Hinsicht sinnvoll. Diese Erkrankungen werden hauptsächlich durch Bakterien verursacht, welche bei ihrer Vermehrung Stoffwechselprodukte produzieren. Diese Stoffwechselprodukte wirken im Körper als Giftstoffe (Toxine) und werden auch freigesetzt, wenn Bakterien durch Antibiotika abgetötet werden. Dadurch werden zusätzlich Symptome, ähnlich wie bei einer Blutvergiftung ausgelöst. Hier kann ein NSAID helfen, die Wirkungen dieser Toxine zu reduzieren. 

Wann ist der Einsatz von NSAIDs sinnvoll?

2 braune Kälbchen auf der Weide

Den Schmerz bei der Enthornung nehmen 

Enthornen ist schmerzhaft und bedeutet Stress für das Kalb, der sich in anschließendem Leistungseinbußen auswirkt. Darum sollte dieser Eingriff so schonend wie möglich durchgeführt werden. Zur Enthornung ist die Verabreichung von angemessenen Betäubungs- und Schmerzmitteln gesetzlich vorgeschrieben. Das heißt, es muss ein sedierendes Arzneimittel (z.B. Xylazin) und zusätzlich ein Schmerzmittel (z.B. Meloxicam) verabreicht werden. Da sedierende Arzneimittel an sich keine schmerzlindernde Wirkung haben, kann zusätzlich noch ein Lokalanästhetikum gespritzt werden. Es ist sinnvoll, das Schmerzmittel schon mindestens zwei Stunden vor der Enthornung zu spritzen, so dass die Wirkung bereits vorhanden ist, wenn enthornt wird. Durch die entzündungshemmende Wirkung zeigen die NSAIDs auch noch Tage nach dem Eingriff einen positiven Effekt und erhöhen die Zunahmen der Kälber nach dem Eingriff. 

Schnelle Linderung bei Kälberdurchfall

Der Durchfall beim Kalb ist oft durch verschiedene Krankheitserreger ausgelöst (Viren, Bakterien und Parasiten). Die Gabe von NSAIDs bewirkt:
  • eine Fiebersenkung,
  • Schmerzminderung der Bauchschmerzen,
  • und die Reduzierung der negativen Effekte durch bakterielle Toxine. 

So bekommt man das Kalb schneller wieder zum Saufen, es kann den Gewichtsverlust schneller wieder aufholen und nimmt anschließend besser zu.

Mehr zur Behandlung von Kälberdurchfall erfahren Sie in diesem Beitrag.

Entzündungshemmung bei Kälbergrippe

Bei der Behandlung der Rindergrippe gilt es, bleibende Lungenschäden zu verhindern, die im weiteren Leben des Kalbes bzw. der Kuh zu Leistungseinbußen und wirtschaftlichen Verlusten führen. Diese entstehen durch die Entzündungsreaktion, die das Lungengewebe so stark schädigen kann, dass es sich nicht mehr erholt. Um diese Auswirkung einzudämmen, hat es sich als sehr positiv erwiesen, zusätzlich zur antibiotischen Therapie ein NSAID zu verabreichen. Dadurch können Langzeitschäden verringert werden. Durch die Entzündungshemmer wird die Entzündungsreaktion eingedämmt und das Fieber gesenkt. Somit wird den Kälbern das Atmen erleichtert und sie haben wieder Appetit. 

Hier geht es zu unserem Punktesystem zur Früherkennung von Kälbergrippe.
Kalbkopf im Stroh gesenkt

Schmerzen bei Euterentzündung behandeln

Jede Frau, die ein Kind bekommen hat, kann dies bestätigen: Eine Mastitis ist besonders schmerzhaft. Deshalb sollte auch bei der Kuh eine zusätzliche Schmerzbehandlung erfolgen. Die Entzündungshemmung und Neutralisation von Giftstoffen ist hier wichtig, um das Euter zu erhalten.  Durch die Eindämmung der Entzündung kann eine niedrigere Zellzahl und eine bessere Fruchtbarkeit nach Abheilung der Mastitis erreicht werden. 

Kuh auf der Weide_Nahaufnahme des Euters


Aber auch bei Eingriffen wie Kaiserschnitt, Kastration, Nabeloperation oder Klauenamputation sind Schmerzmittel unverzichtbar. Genauso wichtig ist ihr Einsatz bei allen Erkrankungen, die mit Schmerzen einhergehen. Dies gilt nicht nur für das Kalb, sondern auch für Kuh und Rind. So sind z.B. Lahmheiten und Mastitis extrem schmerzhafte Erkrankungen. 

Warum also ohne Schmerzmittel?

Durch eine beschleunigte Heilung, weniger Folgeschäden, höhere Zunahmen und eine bessere Gesundheit ist der Einsatz von NSAIDs zusätzlich zur antibiotischen Therapie bei vielen Erkrankungen auch wirtschaftlich gerechtfertigt. Denn welcher Landwirt möchte nicht, dass sich die Tiere so schnell wie möglich wieder von einer schweren Erkrankung erholen und ihr Leistungsniveau erreichen?

In der Humanmedizin zählen Schmerzmittel, zu den am häufigsten verkauften Arzneimitteln1. Sorgen auch Sie dafür, dass Ihre Rinder keine unnötigen Schmerzen ertragen müssen. Fragen Sie Ihren Tierarzt nach einem geeigneten Schmerzmittel.
In einer Umfrage des ELITE Magazins2 wurden praktizierende Rindertierärzte in Deutschland zum Einsatz von Schmerzmitteln befragt. Die große Mehrheit der Tierärzte (96 %) war der Meinung, dass eine Schmerzbehandlung viele Vorteile für das Tier bringt und sich die Rinder schneller erholen. 

Quellen:
1 Meistverkaufte Arzneimittel
2 Elite Magazin