Im Juni 2014 erkrankten 17 Kinder im Alter von 11 Jahren nach einem Besuch mit ihrer 30-köpfigen Schulklasse auf einem Erlebnisbauernhof an Kryptosporidiose.1 Die Kinder streichelten und fütterten die Tiere auf dem Hof und liefen durch die Ställe, wobei sie auch mit dem Kot der Tiere in Berührung kamen und sich dadurch infizierten. Nach Untersuchungen der Kinder durch die zuständige Gesundheitsbehörde in Zusammenarbeit mit der zugehörigen Veterinärbehörde, konnte die Infektionsquelle der Kinder eindeutig auf die Kälber zurückgeführt werden.
Die meisten Landwirte kennen Kryptosporidien aus dem Kälberstall, jedoch ist nicht allen bewusst, dass diese Durchfallerreger auch Erkrankungen beim Menschen hervorrufen können. 
In den USA werden Kryptosporidien aufgrund der niedrigen Infektionsdosis, der leichten Übertragung und der schwerwiegenden Folgen beim Auftreten als Epidemie2 sogar als biologischer Kampfstoff eingestuft. Zudem können sich Kryptosporidien auch sehr leicht über das Trinkwasser verbreiten und sind extrem schwierig mit Desinfektionsmaßnahmen abzutöten. Denn selbst durch eine Chlorung des Trinkwassers kann der Erreger nicht abgetötet werden.

Im Folgenden erfahren Sie, was Sie über Kryptosporidien wissen sollten:

  • Was sind Kryptosporidien?
  • Für wen sind Kryptosporidien gefährlich?
  • Wie werden Kryptosporidien übertragen?
  • Wie häufig kommen Kryptosporidien beim Menschen vor?

Was sind Kryptosporidien? 

Kryptosporidien sind eine Gruppe von einzelligen Parasiten, die die Erkrankung Kryptosporidiose bei Tieren und Menschen hervorrufen. 1976 wurden die Kryptosporidien erstmals als humanpathogene parasitäre Erkrankung beschrieben. Das häufigste Symptom der Erkrankung ist Durchfall. Bei immungeschwächten Menschen und Kindern kann die Infektion sogar zum Tod führen. Tiere und Menschen können jedoch auch symptomlos infiziert sein und den Erreger weiterverbreiten. Die Oozysten werden mehrere Wochen nach Abklingen der Symptome noch ausgeschieden – es gibt sogar dauerhaft asymptomatische Ausscheider.

Kryptischporidien Mensch_Darm des Menschen-1

Für wen sind Kryptosporidien gefährlich?

Kryptosporidien können sowohl Menschen aber auch viele Tierarten infizieren. Es gibt viele verschieden Arten von Kryptosporidien. Der wichtigste Erreger beim Rind ist Cryptosporidium parvum. Für den Menschen sind Cryptosporidium hominis, C. parvum, C. meleagridis, C. felis und C. canis gefährlich. Diese kommen am häufigsten bei Rindern, Geflügel, Katzen und Hunden vor. 
Das Hauptsymptom bei Kryptosporidiose ist Durchfall. Dieser ist bei immunkompetenten Menschen zwar meist selbstlimitierend, hält aber durchschnittlich sechs bis neun Tage an. In einigen Fällen kann der wässrige und manchmal schleimige Durchfall auch länger anhalten. Bei schwerwiegenderen Verläufen treten weitere Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe, erhöhte Temperatur, Müdigkeit und Gewichtsverlust auf.
Aufgrund der Nähe zu den Kälbern sind Landwirte und vor allem Kinder auf landwirtschaftlichen Betrieben besonders gefährdet, sich mit Kryptosporidien zu infizieren. Deshalb ist bei Kindergärten und Urlaubern auf dem Bauernhof besondere Vorsicht geboten.

Wie werden Kryptosporidien übertragen?

Ausbrüche von Kryptosporidiose treten häufig im Zusammenhang mit kontaminiertem Wasser (z. B. Trinkwasser, Eiswürfel, Badewasser) oder kontaminierten Nahrungsmitteln (z. B. Gemüse) auf. Jedoch gilt dies nur für ca. 10% der Ausbrüche. Der Rest der Fälle wird häufig durch die Übertragung von Rindern insbesondere Kälbern auf den Menschen verursacht. Die direkte fäkal-orale Übertragung von Mensch zu Mensch oder vom Tier auf den Menschen sind der gängigste Ansteckungsweg. Kryptosporidien können auch durch den Tierkontakt über Schmierinfektionen übertragen werden.
Insbesondere Personen, die zu Rindern oder anderen Tieren engen Kontakt haben, können sich leicht infizieren. Hier spielt die Übertragung von Kälbern die wichtigste Rolle. Das Ausmaß der Erregerübertragung von Haustieren auf den Menschen ist unbekannt, das Risiko existiert aber.Kryptosporidiose Übertragungsweg 2
Beim Menschen ist C. hominis die am häufigsten vorkommende Kryptosporidien-Art. Die zweithäufigste Art ist C. parvum. Rinder, vor allem Kälber, stellen die primäre Quelle von C. parvum dar und diese Spezies ist definitiv ein zoonotisches Risiko. Auch Hunde, Katzen, Schafe, Pferde und Nager können C. parvum in sich tragen, aber es ist unbekannt, wie häufig dies vorkommt. Jedoch können diese Haustiere C. parvum auf den Menschen übertragen.
Die Frage, ob die anderen Hunde- und Katzen-spezifischen Spezies den Menschen infizieren können, ist noch nicht vollständig geklärt. Die Spezies C. canis und C. felis wurden bei einigen Menschen nachgewiesen und lösten auch teilweise Durchfall aus. Die Übertragung von Hunden und Katzen ist demnach möglich, aber sehr unwahrscheinlich. Allgemein ist festzustellen, dass Infektionen des Menschen über andere Tiere als Rinder extrem selten sind.

Wie häufig kommen Kryptosporidien beim Menschen vor?

Der größte jemals aufgetretene Ausbruch wurde 1993 in Milwaukee in den USA registriert: hier gab es über 403.000 Erkrankte und 104 Tote3. Damit verursachten Kryptosporidien die tödlichste parasitäre Epidemie in der Geschichte der USA. In den USA wurde auch nach Reihentestungen eine sehr hohe Infektionsrate festgestellt, ca. 30% der Bevölkerung waren seropositiv auf Kryptosporidien. Das heißt, dass sie irgendwann einmal Kontakt mit diesem Erreger hatten. 
In Deutschland sind Kryptosporidien beim Menschen eine meldepflichtige Infektionserkrankung. Es besteht keine Meldepflicht beim Auftreten von Kryptosporidien beim Rind oder anderen Tierarten. Laut Robert-Koch-Institut wurden im Zeitraum von 2001 - 2019 jährlich etwa 800 bis 2000 Fälle beim Menschen gemeldet (www.rki.de/jahrbuch). In den letzten zehn Jahren ist eine steigende Tendenz der Fallzahlen zu verzeichnen.
Menschen, die engen Kontakt zu infizierten Tieren (vor allem Kälbern) haben sind einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt. Kryptosporidiose kommt auch häufiger bei immunsupprimierten Individuen (HIV-, Krebs- oder Transplantationspatienten) vor, aber auch bei Kindern unter 2 Jahren oder in Kindertagesstätten.

 

Der Schutz des Menschen vor Kryptosporidien beginnt im Kälberstall! 

Kryptosporidiose bei Kälbern vermeiden und korrekt behandeln. Hygiene im Kälberstall sollte die oberste Priorität haben, auch um den Kälbern einen gesunden Start ins Leben zu erleichtern. Damit reduzieren Sie auch die Infektionsgefahr für den Menschen. 
Bei Besuchern auf dem Hof sollte auf grundsätzliche Hygiene und gründliches Händewaschen großer Wert gelegt werden. Schließlich soll der Besuch auf dem Bauernhof auch als schönes Erlebnis in Erinnerung bleiben!

Fragen Sie Ihren Tierarzt zur Behandlung von Kryptosporidien beim Kalb!  

Quellen:
1 Untersuchung einer Häufung von Kryptosporidiose-Erkrankungen in einer Schulklasse nach Besuch eines Erlebnisbauernhofs. I Freudenau, M Gubba, C Kelm-Dirkmorfeld, M Lunemann, H Petermann, U van Treeck, I Daniels-Haardt, A Jurke. Gesundheitswesen 2015; 16 - P19. DOI: 10.1055/s-0035-1546920
2 TRBA 250: Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege 
 http://www.baua.de/nn_15116/de/Themen-von-A-Z/Biologische-Arbeitsstoffe/TRBA/pdf/TRBA-250.pdf
3 http://www.animalplanet.com/tv-shows/monsters-inside-me#mkcpgn=ytapl1
https://www.youtube.com/watch?v=ebjG6N7JIQs