Zusammenwirken mit Atemwegserkrankungen und Lungenentzündungen beachten!

Ohrenentzündungen sind eine häufige Erkrankung bei Kälbern, da sie oft im direkten Zusammenhang mit Erkrankungen der Atemwege und Lungenentzündungen wie bei der Kälbergrippe zu beobachten sind. Die Otitis bzw. Otitis media als Mittelohrenzündung wird dabei vor allem durch Bakterien wie Mykoplasmen ausgelöst und es kann zu Ausbrüchen in ganzen Beständen kommen.

Besteht ein Verdacht auf Ohrenentzündungen, ziehen Sie direkt den Hoftierarzt hinzu: Wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt, bestehen gute Aussichten auf eine erfolgreiche Therapie mit Entzündungshemmern und ggf. Schmerzmitteln. Ist die Entzündung fortgeschritten, wird meist eine antibiotische Behandlung notwendig sein.


  • Ursachen der Ohrenentzündung: Atemwegserkrankungen und Mykoplasmen
  • Ohrenentzündung Symptome: Ohrstellung, Kopfhaltung und Verhalten des Kalbs beobachten
  • Ohrenentzündung vorbeugen: Kolostrumversorgung und Haltungsbedingungen optimieren

Oft Ursache für Ohrenentzündung: Atemwegserkrankungen durch Mykoplasmen.

Ohrenentzündungen beim Kalb gehen oft einher mit Atemwegserkrankungen, die insbesondere durch zellwandlose Bakterien, sogenannte Mykoplasmen, ausgelöst werden können. Vor allem „Mycoplasma bovis“ verursacht dann Lungenentzündungen und auch Otitis, indem die Keime sich durch die Verbindung zwischen Atemwegen, Rachenraum und Ohrbereich ausbreiten. Über diese „Eustachische Röhre“ gelangen die Erreger ins Mittelohr und können dort die Ohrenentzündung auslösen.

Ein geschwächtes Immunsystem, Umweltstress der Tiere, Kälte sowie kühle und feuchte Luft können zudem die Ausbreitung der Mykoplasmen und damit die Infektion der Atemwege und Ohren begünstigen.

Ohrenentzündung Symptome: Genau beobachten, rechtzeitig erkennen!

Beginnende Ohrenentzündungen beim Kalb zu erkennen erfordert ein genaues Beobachten der Tiere. Gesunde Kälber haben eine symmetrische Ohrstellung sowie ein lebhaftes Ohrenspiel und sind vital und aufmerksam. Von diesem gesunden Zustand ausgehend sind die Symptome gut zu bemerken:

  • Ohrenentzündung erste Anzeichen:
Die Ohrstellung ist asymmetrisch. Das Kalb zeigt zudem wiederholt Kopfschütteln, kratzt mit dem Hinterbein am Kopf und reibt diesen an der Boxenwand. Das Tier wirkt leicht müde, hat aber meist noch kein hohes Fieber.

  • Ohrenentzündung im weiteren Verlauf:
Die Ohrstellung verändert sich zum einseitigen Ohrhängen und das Tier wirkt sehr müde, später apathisch. Die Symptome verstärken sich und es kommt zu Fieber über 39,5 °C, Fressunlust, Schmerzsymptomen wie Zähneknirschen.

  • Ohrenentzündung fortgeschritten:

Kopfschiefhaltung und Zwangsbewegungen. Teilweise jetzt beidseitiges Hängen der Ohren. Bei fortschreitender Entzündung des Innenohres Gleichgewichtsstörungen.

Weiterhin ist der Ohrgrund des Kalbs jetzt druckempfindlich und beim Zusammendrücken des Ohrgrunds kann ein „Quatschen“ festgestellt werden, das durch Verdrängen eitriger Sekrete im Ohr entsteht.

Auch nach Ausheilung der Erkrankung können die Kopfschiefhaltung oder die hängenden Ohren über einen langen Zeitraum noch bestehen bleiben. Je nachdem wie stark die Nerven geschädigt wurden, können die Symptome im schlimmsten Fall sogar bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben.

Jungtiere im Stall

Ohrenentzündung beim Kalb vorbeugen: Kolostrumversorgung und Haltungsbedingungen optimieren.

Da Ohrenentzündungen beim Kalb oft mit Erkrankungen der Atemwege einhergehen, sind die vorbeugenden Maßnahmen ähnlich zu sehen. Auch bei Ohrenentzündungen ist daher, wie bei allen Erkrankungen, die optimale Kolostrumversorgung ein wesentlicher Punkt der Vorsorge. Hochwertige und in ausreichender Menge verabreichte Biestmilch baut die Abwehrkräfte des Kalbs auf und ist damit Grundvoraussetzung für eine gesunde Entwicklung der Tiere.

Wertvolle Tipps zum optimalen Kolostrum-Management können Sie hier nachlesen.

Darüber hinaus spielen bei der Vorbeugung von Ohrenentzündungen die Haltungsbedingungen der Kälber eine wichtige Rolle: Stellen Sie im Kälberstall eine optimale Lüftung sicher, verhindern Sie aber kalte Winde und Zugluft, die eine Ohrenentzündung begünstigen. Im Winter sollte Kälte verhindert werden, indem für eine ausreichend dicke und trockene Stroheinstreu gesorgt wird.

Ebenso sind Maßnahmen sinnvoll, die den Infektionsdruck durch Mykoplasmen senken. Dazu gehören zum Beispiel eine verminderte Belegdichte, Nutzung des Rein-Raus-Verfahrens, ggf. Einzelaufstallung und zudem die konsequente Stallhygiene in allen Bereichen.

Ohrenentzündungen als Teil der Herdengesundheit im Blick behalten.

Ohrenentzündungen bei Kälbern sind meistens im Zusammenspiel mit anderen Erkrankungen zu sehen, insbesondere mit Atemwegserkrankungen und Lungenentzündungen wie bei der Kälbergrippe. Betrachten Sie daher Ohrenentzündungen auch als Hinweis auf mögliche weitere Kälberkrankheiten in Ihrem Bestand!

Mehr dazu lesen Sie auch in unserem Hauptbeitrag zum Thema Kälberkrankheiten sowie in unseren Artikeln zur Kälbergrippe, zu Kälberdurchfall und Nabelinfektionen beim Kalb.