Die Fruchtbarkeit der Kuh wird über den Brunstzyklus der Kuh gesteuert. Progesteron ist bei Kühen eines der wichtigsten Hormone, die in diesen Zyklus eingreifen – wie übrigens auch beim Menschen und bei anderen Säugetieren.

In diesem Artikel wollen wir Ihnen kurz aufzeigen, welche Funktion das Progesteron bei Kühen übernimmt, wie es sich auf die Fruchtbarkeit der Kuh auswirkt und welche Möglichkeiten es gibt, Progesteron bei Kühen therapeutisch einzusetzen. Vor allem für das Fruchtbarkeitsmanagement in einem landwirtschaftlichen Betrieb insgesamt haben der Einsatz von Progesteron und die Durchführung von Progesterontests inzwischen eine große Bedeutung.

  • Progesteron ist bei Kühen ein wichtiges Hormon im Brunstzyklus
  • Als Gelbkörperhormon sorgt Progesteron für die Aufrechterhaltung der Trächtigkeit
  • Progesterontests helfen beim Fruchtbarkeitsmanagement
  • Progesteron kann therapeutisch bei nicht tragenden Kühen die Fruchtbarkeit steigern

Progesteron bei der Kuh: Was ist das eigentlich?

Progesteron ist ein Hormon, was vom Gelbkörper und von der Plazenta produziert wird. Es ist notwendig für den Trächtigkeitserhalt. Wie alle Hormone ist auch Progesteron ein biochemischer Botenstoff, der Signale an bestimmte Zellen oder Organe übermittelt, um entsprechende Wirkungen oder Regulationen auszulösen.

Später, um den 120. Tag der Trächtigkeit übernimmt die Plazenta die Produktion von Progesteron.

Progesteron_Kühe liegend im Abkalbestall-1

Welche Funktion hat Progesteron bei der Kuh?

Der Gelbkörper oder lateinisch „Corpus luteum“ ist ein Zellverbund, der sich im Eierstock nach dem Eisprung aus den Zellen des vorherigen Follikels (Eibläschen) bildet, während die Eizelle in den Eileiter wandert und dort befruchtet werden kann.

Das vom Gelbkörper gebildete Progesteron ist jetzt insbesondere für den Schutz der Trächtigkeit verantwortlich. Durch das Progesteron wird die Gebärmutter angeregt, die Schleimhaut auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle vorzubereiten. Gleichzeitig wirkt das Gelbkörperhormon auch auf das Zwischenhirn (Hypothalamus) und signalisiert dort den Stopp für die Produktion des Hormons GnRH, da sonst während der Trächtigkeit eine erneute Brunst starten würde.

Progesteron stellt damit die Ampel auf „Grün“ für eine erfolgreiche Trächtigkeit und gleichzeitig auf „Rot“ für die Wiederaufnahme des Brunstzyklus der Kuh.

Wie entwickelt sich der Progesteronspiegel bei der Kuh während eines Brunstzyklus?

Der Progesteronspiegel nach dem Eisprung steigt stark an und verbleibt auf einem hohen Niveau. Stellt sich heraus, dass die Eizelle nicht befruchtet wurde, wird der Gelbkörper ebenfalls über eine hormonelle Steuerung, hier durch Prostaglandin F2 alpha, abgebaut und der Progesteronspiegel sinkt, sodass eine erneute Brunst möglich ist.

Grafik Progesteronspiegel im Zyklus der Kuh

Welche Möglichkeiten bietet der Progesterontest bei Kühen?

Um im Fruchtbarkeitsmanagement der Kuh bei der künstlichen Besamung bessere Ergebnisse zu erzielen, kann man auf Progesterontests zurückgreifen. Diese Tests auf die Progesteron-Konzentration können über das Blutserum oder auch über die Milch durchgeführt werden. Das Ergebnis liefert Aussagen darüber, in welcher Phase des Brunstzyklus sich die Kuh befindet und kann Scheinbrunsten oder auch Nichtträchtigkeit eines Tieres belegen. Die wesentlichen Einsatzmöglichkeiten:

  • Überprüfung des Brunstzyklus
Durch zwei bis drei Progesterontests im Abstand einiger Tage kann genau bestimmt werden, an welchem Punkt des Brunstzyklus sich eine Kuh gerade befindet. Dies ist besonders bei Tieren sinnvoll, die unregelmäßige Brunstzyklen haben oder auch bei Erstkalbinnen.

  • Kontrolle beim Umrindern
Ist der Progesteronspiegel niedrig, kann mit hoher Sicherheit davon ausgegangen werden, dass keine Trächtigkeit vorliegt. Der Test erfolgt daher vor allem in den letzten drei Tagen (19., 20. und 21. Tag) des Brunstzyklus der Kuh. Anschließend kann die Besamung zum direkt folgenden Eisprung erfolgen, so dass die Zwischenkalbezeit nicht unnötig verlängert wird.

  • Erkennen von Scheinbrünsten
Zeigt eine Kuh Brunstsymptome, die eigentlich nicht zu erwarten waren, weil das Tier tragend ist, kann der Progesterontest aufschlussreich sein: Ist die Progesteron-Konzentration hoch, ist eine Besamung nicht nötig und es liegt eine Scheinbrunst vor.

  • Brunstsynchronisation
Ein Progesterontest kann belegen, ob es einen aktiven Gelbkörper gibt. Nur in diesem Fall wäre es bei Nichtträchtigkeit sinnvoll, Prostaglandin F2 alpha zu verabreichen, um den Gelbkörper abzubauen und eine neue Brunst einzuleiten.


Mehr über die Fruchtbarkeit bei Kühen sowie über die Fruchtbarkeitshormone der Kuh oder speziell über den Einsatz von GnRH bei Kühen erfahren Sie in unseren weiteren Beiträgen.