Obwohl Q-Fieber heute vor allem ein Problem der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung ist, das insbesondere Rinder, Schafe, Ziegen und Vögel betrifft, ist die Infektion durch den Erreger Coxiella burnetii auch auf den Menschen übertragbar.1,2 Dieses Überspringen auf den Menschen wird als „Zoonose“ bezeichnet und der Q-Fieber-Erreger hat in dieser Beziehung leider ein vergleichsweise hohes Potenzial, dies auch zu tun.

So wurden in den 1930er Jahren die ersten Fälle von Q-Fieber auch nicht an Tieren, sondern an Menschen festgestellt und dokumentiert. Die Betroffenen waren damals australische Schlachthofmitarbeiter, die sich beim Umgang mit den Tieren mit dem zunächst noch unbekannten Erreger infiziert hatten. Von Australien aus trat Coxiella burnetii seine Reise um die ganze Welt an – mit Ausnahme von Neuseeland und der Antarktis ist Q-Fieber heute global verbreitet und kann bei Menschen schwere akute und chronische Erkrankungen verursachen.

  • Zoonose: Q-Fieber ist auf Menschen übertragbar
  • Es sind akute und chronische Erkrankungen möglich
  • Schwangere sind besonders gefährdet
  • Frühe Diagnose und Behandlung ist wichtig

Menschen im Umfeld der Nutztiere sind am häufigsten betroffen.

Selbst gut 80 Jahre nach seiner Entdeckung ist Q-Fieber damit unverändert auch eine Gefahr für den Menschen. Dabei sind natürlich Personen, die in unmittelbarem Kontakt mit empfänglichen Nutztieren stehen oder im nahen Umfeld arbeiten und leben, am häufigsten betroffen, also insbesondere
  • Landwirte und Familienangehörige
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in landwirtschaftlichen Betrieben
  • Tierärzte, Besamungstechniker, Klauenpfleger

Nicht zu vergessen sind aber auch Privatpersonen sowie Kinder und Schulklassen, die einen landwirtschaftlichen Betrieb besuchen oder zum Beispiel ihre Ferien auf dem Bauernhof verbringen: Coxiella burnetii ist äußerst virulent – schon 1 bis 10 Bakterien können genügen, um die Infektion auszulösen!

2019 gab es in Deutschland 148 registrierte Q-Fieber-Erkrankungen!

Ist das Auftreten von Q-Fieber beim Menschen tatsächlich heute noch ein Problem? Leider ja: Im Jahr 2009 gab es zum Beispiel in den Niederlanden einen starken Ausbruch der Krankheit, als etwa 2.300 Menschen an Q-Fieber erkrankten. In Deutschland gab es im Zeitraum von 2001 bis 2014 fast 3.500 Fälle. Die vom Robert-Koch-Institut geführten Statistiken zeigen auch in den letzten Jahren ein ähnliches Bild:

  • 2015: 320 Fälle
  • 2016: 275 Fälle
  • 2017: 107 Fälle
  • 2018: 93 Fälle
  • 2019: 148 Fälle

Diese Zahlen belegen: Auch aktuell tritt das Q-Fieber immer wieder auf – umso wichtiger ist es, über das Q-Fieber informiert zu sein und im eigenen landwirtschaftlichen Betrieb die Verbreitungsquellen der Infektion einzudämmen, zum Beispiel durch die Q-Fieber-Impfung der Nutztiere.

Wie wird Q-Fieber auf den Menschen übertragen?

Kuh streckt Zunge raus Richtung Hand

Die Übertragung der Erreger geschieht vom Tier auf den Menschen, selbst wenn infizierte Tiere keine Symptome zeigen. Insbesondere bei Geburten, Aborten oder Totgeburten werden aber große Mengen des Erregers ausgeschieden. Erreger finden sich außerdem im Urin und in der Milch.

Die Ansteckung erfolgt dann durch den direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder Tierprodukten, insbesondere auch durch das Einatmen von mit Bakterien verseuchtem Staub, zum Beispiel beim Entfernen kontaminierter Einstreu. Durch den Wind ist aber auch eine Verbreitung der Bakterien über viele Kilometer möglich.

Der Erreger gelangt dann meistens über die Atemwege und die Lunge in den menschlichen Körper. Eine Übertragung des Q-Fiebers von Mensch zu Mensch findet in der Regel nicht statt. Eine Infektion durch das Trinken von Rohmilch ist wahrscheinlich selten, kann aber nicht ausgeschlossen werden. Pasteurisierte Milch kann dagegen bedenkenlos getrunken werden, da der Erreger durch dieses Verfahren abgetötet wird.

Wie kann man eine Q-Fieber-Infektion erkennen?

Die erforderliche Infektionsdosis ist äußerst gering: Schon 1 bis 10 Erreger können ausreichen, um die Erkrankung beim Menschen auszulösen. Nach einer Inkubationszeit von etwa 2 bis 3 Wochen kann es dann zum Ausbruch kommen.

Meistens treten als Anzeichen für die Erkrankung grippeähnliche Symptome auf, weshalb die Infektion oft gar nicht als Q-Fieber erkannt wird. Typische Symptome sind hohes Fieber und Stirnkopfschmerzen, Mattigkeit, Schüttelfrost und Gliederschmerzen.
Da diese Symptome nicht wirklich einzigartig sind, sollte man, vor allem wenn man Kontakt zu möglicherweise infizierten Tieren hatte, einen Arzt aufsuchen. In einer Laboruntersuchung kann dann über den Nachweis der spezifischen Antikörper geklärt werden, ob es sich tatsächlich um Q-Fieber handelt.

Wie ist der Krankheitsverlauf von Q-Fieber beim Menschen?

Der Krankheitsverlauf von Q-Fieber kann beim Menschen sehr unterschiedlich sein – von der unbemerkten Infektion bis hin zu schweren chronischen Erkrankungen und der besonderen Gefährdung von Schwangeren durch Aborte oder Frühgeburten. Hier die häufigsten Krankheitsverläufe im Überblick:

Unauffälliger Verlauf
Bei etwa 60 % der Betroffenen verläuft Q-Fieber asymptomatisch, das bedeutet, es treten keine Anzeichen oder Beschwerden auf und die Krankheit bleibt in der Regel unbemerkt. Trotzdem werden durch die Infektion vom menschlichen Immunsystem Antikörper gebildet, über die der Erreger nachweisbar ist.

Akute Erkrankung
Bei etwa 40 % der Betroffenen kommt es durch Q-Fieber zu akuten Erkrankungen. Es treten insbesondere die schon beschriebenen grippeähnlichen Symptome auf und es kann auch zu Leberentzündungen (Hepatitis), Lungenentzündungen (Pneumonie) oder Hirnhautentzündungen (Meningitis) kommen.

Schwere Verläufe
Bei etwa 4 % der Infizierten sind in Folge des schweren Verlaufs der Erkrankungen Krankenhausaufenthalte erforderlich.

Chronische Erkrankung
Bei etwa 2 % der Infizierten kommt es bei der Erkrankung zu einem chronischen Verlauf, zum Beispiel mit dem Auftreten von Herzinnenhautentzündungen (Endokarditis).

Risiko für Schwangere
Für Schwangere ist die Infektion besonders gefährlich, da sie zu Fehlgeburten (Aborten), erhöhter embryonaler Sterblichkeit und Frühgeburten führen kann.3

Damit sollte für uns alle klar sein: Eine Infektion mit Q-Fieber darf niemals auf die leichte Schulter genommen werden. Auch wenn die Infektion zumindest in der Mehrzahl der Fälle harmlos verläuft, besteht das Risiko schwerer Erkrankungen.

Die Q-Fieber-Infektion bei Menschen fällt außerdem grundsätzlich unter die nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtigen Erkrankungen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel zur Meldepflicht.

Wie wird Q-Fieber bei Menschen behandelt?

Q-Fieber ist eine bakterielle Erkrankung, die mit Antibiotika therapiert werden kann. Meist ist dies beim Menschen auch relativ gut möglich und erfolgreich. Wichtig ist dennoch eine möglichst frühzeitige Diagnose, um einen schwereren Verlauf der Krankheit zu verhindern und die Heilungschancen zu verbessern.

Vorbeugen und Ausbreitung verhindern!

Letztlich sind Infektionen beim Menschen ein Hinweis auf infizierte Tierbestände. Es ist daher wichtig, die Infektion schon bei den Nutztieren zu erkennen.

Für Außenstehende ist die Vermeidung des Kontakts zu infizierten, nicht geimpften Tieren die wichtigste vorbeugende Maßnahme. Für die im landwirtschaftlichen Bereich arbeitenden Menschen ist dies selbstverständlich nicht wirklich möglich. Hier gilt es, in der Zusammenarbeit mit Veterinäramt und Gesundheitsamt die Infektionsquellen aufzudecken, neue menschliche Erkrankungsfälle zu verhindern und durch geeignete Maßnahmen, zum Beispiel durch die Impfung der Tiere gegen Q-Fieber, eine weitere Verbreitung des Erregers einzudämmen.


Quellen:

1 Hilbert, A. (2015): Coxiella burnetii - Epidemiologische Untersuchungen zum Vorkommen und zur Verbreitung in Schaf- und Rinderbeständen in Deutschland. Berlin, Freie Universität, veterinarmed. Fak., Diss.

2 Bundesinstitut für Risikobewertung (2003): Q-Fieber: Übertragung des Erregers Coxiella (C.) burnetii in Tierbeständen und durch Lebensmittel auf den Menschen.


3 Arricau-Bouvery, N., Rodolakis, A. (2005): Is Q fever an emerging or reemerging zoonosis? Vet Res 36, 327-349.