Q-Fieber kommt in landwirtschaftlichen Betrieben nicht nur in der Rinderhaltung vor, sondern betrifft auch immer wieder Landwirte, die kleine Wiederkäuer wie Schafe und Ziegen halten. Wie bei den Infektionen beim Rind, tritt allerdings hier ebenso ein gesundheitliches Problem mit zweierlei Auswirkung auf: Einerseits sind die Tiere betroffen und andererseits sind durch das Zoonose-Potenzial des Erregers Coxiella burnetii auch Menschen gefährdet.

So kam es in der Vergangenheit immer wieder zu größeren Q-Fieber-Ausbrüchen, die ihre Ursache in der Haltung von Ziegen oder Schafen hatten. In den 1990er Jahren gab es in Bulgarien wiederholte Fälle, die vor allem auf die Geburten bei Ziegen zurückzuführen waren. 1993 wurden dort über 1000 Übertragungen auf Menschen nachgewiesen.1 In den Niederlanden kam es zwischen 2007 und 2011 zu starken Ausbrüchen, bei denen über 4000 Menschen an Q-Fieber erkrankten.2 Hier war die Auslösung der Epidemie auf Betriebe mit Milchziegenherden zurückzuführen.

In Deutschland spielte die Ziegenhaltung in den letzten Jahren bisher eher eine untergeordnete Rolle, allerdings nimmt auch bei uns die Milchziegenhaltung zu. Die Q-Fieber-Übertragungen auf den Menschen durch kleine Wiederkäuer sind in Deutschland aktuell primär meist noch auf Schafe zurückzuführen. Auslöser für die Übertragung sind vor allem lammende Schafe, aber auch entlang von Triebwegen traten die Erkrankungen bei Menschen häufiger auf.3

Umso wichtiger ist es, mehr über Q-Fieber bei kleinen Wiederkäuern zu wissen. Nur so können wir die Ansteckung von Tieren und Menschen und auch negative wirtschaftliche Folgen für die Betriebe verhindern.

In diesem Artikel erfahren Sie:
  • Q-Fieber tritt auch bei kleinen Wiederkäuern wie Schafen und Ziegen auf
  • Q-Fieber kann von Schafen und Ziegen auf den Menschen übertragen werden
  • Maßnahmen gegen Q-Fieber schützen die Nutztiere und die Menschen
  • Q-Fieber-Impfung für Schafe und Ziegen kann den Infektionsdruck senken

Wie wird Q-Fieber durch Schafe und Ziegen verbreitet?

Q-Fieber oder Coxiellose gehört zu den bakteriellen Erkrankungen und wird durch das Bakterium Coxiella burnetii ausgelöst. Die wichtigsten allgemeinen Informationen lesen Sie dazu gerne auch in unserem Hauptartikel zum Thema Q-Fieber. Bei kleinen Wiederkäuern wie Schafen und Ziegen werden die Bakterien von infizierten Tieren besonders beim Ablammen über das Geburtsmaterial ausgeschieden. Fruchtwasser, Vaginalschleim und Nachgeburt enthalten dann große Mengen der sehr ansteckenden Bakterien. Daneben erfolgt ein Ausscheiden der Erreger über Kot und Urin und bei Ziegen insbesondere auch über die Milch.

Die Ansteckung anderer Tiere und die Übertragung auf Menschen erfolgt dann allerdings vor allem über das Einatmen von erregerhaltigen Aerosolen und Stäuben. Die widerstandsfähigen Bakterien werden als trockener Staub insbesondere durch den Wind verbreitet und können so über weite Entfernungen transportiert werden. Ein Ansteckungsrisiko besteht daher über mehrere Kilometer hinweg, besonders im Radius von 2 bis 4 Kilometern aber auch bis zu etwa 10 Kilometern. Im Einzelfall wurde sogar eine Ansteckung über 18 Kilometer Entfernung beobachtet.4

Ziegenherde an Windmühle auf Wiese

Q-Fieber erkennen: Die wichtigsten Symptome bei Schafen und Ziegen.

Eine Q-Fieber-Erkrankung ist – wie auch bei Rindern - bei Schafen und Ziegen leider nicht direkt auf den ersten Blick erkennbar. Insbesondere bei Schafen wurde immer wieder eine Infektion festgestellt, ohne dass Symptome deutlich hervorgetreten waren. So können auch infizierte Schafe zum Beispiel gesunde Lämmer zur Welt bringen.
Umso wichtiger ist es daher, im eigenen Betrieb auf Anzeichen zu achten, die auf eine Q-Fieber-Infektion hindeuten könnten. Dies sind vor allem: 

  • Verstärktes Auftreten von Fehlgeburten, insbesondere Spätaborte
  • Häufigere Totgeburten
  • Geburt von lebensschwachen Lämmern
  • Häufigerer, verzögerter Abgang von Nachgeburten

Beobachtet man im eigenen Betrieb verstärkt diese Symptome, kann dies auf eine Q-Fieber-Infektion in der Herde hinweisen. Bei bestehendem Verdacht sollten Sie dann unbedingt Ihren Hoftierarzt hinzuziehen. Er kann über molekularbiologische Untersuchungen zum Beispiel der Nachgeburten oder toter Lämmer oder auch über serologische Untersuchungen von Blutproben eine mögliche Q-Fieber-Infektion nachweisen.

Ist ein positiver Nachweis erbracht, sollte eine weitere Verbreitung in der Herde und eine Übertragung auf Menschen unbedingt verhindert werden. Darüber hinaus fällt Q-Fieber unter die meldepflichtigen Tierkrankheiten. Mehr dazu auch in unserem Beitrag zur Meldepflicht von Q-Fieber.

Kleine Wiederkäuer schützen: Q-Fieber bei Schafen und Ziegen vorbeugen!

Um ein Übergreifen von Q-Fieber auf den eigenen Schaf- oder Ziegenbestand zu verhindern und auch, um eine Ansteckung von Menschen zu vermeiden, haben sich verschiedenste Maßnahmen in der Praxis bewährt. Oftmals können schon einfache Hygieneregeln die Ausbreitung oder das Infektionsrisiko eindämmen. Hier ein Überblick über die wichtigsten möglichen Maßnahmen:

Information und Hygiene
Mitarbeiter, Angehörige und auch Besucher Ihres Betriebes sollten informiert werden und in die notwendigen Hygienemaßnahmen eingewiesen werden. Dazu gehören insbesondere die Reinigung und Desinfektion von Arbeitsmaterial und Arbeitskleidung.

Schutzmaßnahmen bei Reinigung
Achten Sie bei der Reinigung von Stallungen darauf, dass möglichst keine Stäube und Aerosole aufgewirbelt werden und tragen Sie selbst Schutzkleidung.

Zugang zu den Tieren beschränken
Ihr Betrieb ist kein Streichelzoo: Verhindern Sie, dass unbefugte Personen Zugang zu Ihren Schafen oder Ziegen haben. Beschildern Sie Ihre Stallungen mit dem Hinweis, dass der Zugang für Unbefugte verboten ist.

Ablammungen und Schur strikt regeln
Die Schur und Ablammungen sollten nur in geschlossenen Räumen stattfinden, da in diesen Situationen die Infektionsgefahr besonders groß ist. Sorgen Sie für strenge Hygiene in den Räumen. Nachgeburten sollten Sie bis zur Entsorgung in geschlossenen Behältern sichern und lagern.

Milch pasteurisieren
Das Pasteurisieren verhindert Ansteckungen über die Milch. Verzehren Sie keine Rohmilch oder Rohmilchprodukte und geben Sie diese auch nicht an Verbraucher weiter.

Mist ablagern
Bevor Sie Schaf- oder Ziegenmist ausbringen, lagern Sie diesen zunächst für etwa 9 Monate sicher unter Folie, möglichst weit entfernt von Wohngebieten. Das Ausbringen des Mists auf Ackerflächen sollte nur bei windstillem Wetter und mit sofortiger Einarbeitung in den Boden erfolgen.

Herde impfen
Inzwischen sind Impfstoffe gegen Coxiella burnetii nicht nur für Rinder, sondern auch für Ziegen verfügbar. Mit einer Sondergenehmigung darf der Impfstoff auch bei Schafen angewendet werden. Nutzen Sie diese, um Ihre Tiere zu immunisieren.
Schaf mit frisch geborenen Lamm

Q-Fieber bekämpfen: Impfung für Schafe und Ziegen.

Grundsätzlich wäre das Bakterium Coxiella burnetii durch Antibiotika zu bekämpfen, doch vor dem Hintergrund einer gesamten Herde ist dies keine dauerhafte Lösung und in Absprache mit dem Tierarzt bestenfalls im Einzelfall sinnvoll. In der Nutztierhaltung sollte der Erreger jedoch möglichst dauerhaft eingedämmt und eliminiert werden, um die Herdengesundheit sicherzustellen.

Um Q-Fieber-Infektionen zu verhindern oder zu kontrollieren, hat sich in der Praxis die Impfung der Ziegen- und Schafherden als wirksames Instrument erwiesen.5 Die Verbreitung des Erregers konnte in den betroffenen Betrieben gestoppt und der Infektionskreislauf durchbrochen werden. So werden im Vorfeld Infektionen verhindert und auch eine Übertragung auf Menschen vermindert. Mehr dazu lesen Sie auch in unserem Beitrag zur Q-Fieber Impfung.

Sprechen Sie Ihren Hoftierarzt auf die Möglichkeit zur Impfung Ihrer kleinen Wiederkäuer an, um die Ausbreitung von Q-Fieber bei Ihren Schafen und Ziegen zu verhindern.

Q-Fieber bei Schafen und Ziegen verhindern, Betriebserfolg verbessern.

Nicht nur in der Rinderhaltung, auch bei kleinen Wiederkäuern hat die Ausbreitung von Q-Fieber einen negativen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit eines Betriebs. Kranke Tiere verursachen einerseits Kosten für die Behandlung und senken andererseits durch ihre verminderte Leistungsfähigkeit auch die Einnahmen, die sonst durch gesunde, leistungsstarke Tiere erzielt werden könnten.

Eine konsequente Bekämpfung von Q-Fieber in Schaf- und Ziegenherden, vor allem durch die Impfung und Anwendung aller möglichen vorbeugenden und schützenden Maßnahmen, ist daher nicht nur im Interesse der Tiere und der eigenen Gesundheit, sondern auch für den wirtschaftlichen Erfolg Ihres Betriebs ein wichtiger Faktor.


Quellen:
1 National Institute for Public Health and the Environment, nicht Kampschreur et al. 2014

2 Martinov SP (2007): Contemporary state of the problem Q fever in Bulgaria. Biotechnol Biotechnol Equip 21: 353–361.

3 Kampschreur LM, Hagenaars JC, Wielders CC, Elsman P, Lestrade PJ, Koning OH, Oosterheert JJ, Renders NH, Wever PC (2013): Screening for Coxiella burnetii seroprevalence in chronic Q fever high-risk groups reveals the magnitude of the Dutch Q fever outbreak. Epidemiol Infect 141: 847–851.

4 Hellenbrand W, Breuer T, Petersen L (2001): Changing epidemiology of Q fever in Germany, 1947–1999. Emerg Infect Dis 7: 789–796.

5 Bontje D, Backer J, Hogerwerf L, Roest H, van Roermund H (2016): Analysis of Q fever in Dutch dairy goat herds and assessment of control measures by means of a transmission model. Prev Vet Med 123: 71–89