Kälberdurchfall ist neben Rindergrippe die häufigste Verlustursache im Milchviehstall. Um kranke Kälber schnell wieder fit zu bekommen, haben wir in diesem Artikel alle wichtigen Infos über Elektrolytlösungen zusammengefasst. Was Sie jetzt über Elektrolytlösungen wissen sollten, erfahren Sie hier!

Was unterscheidet eine gute Elektrolytlösung zur Behandlung von Kälberdurchfall von eher Ungeeigneten?


Eine gute Elektrolytlösung:

  • Stoppt den Durchfall schnell und effektiv!
  • Schmeckt dem Kalb!
  • Enthält die richtige Menge an Elektrolyten (idealer SID-Wert)!
  • Puffert die Übersäuerung im Blut ab, ohne die Milchgerinnung zu beeinträchtigen!
  • Reduziert die Anzahl an Bakterien!
  • Beinhaltet die optimale Glukosemenge!
  • Kann in Wasser, in Milch oder direkt ins Maul verabreicht werden!
  • Löst sich gut in Wasser und in Milch auf!

Risiko Kälberdurchfall _Kalb am Tränkeeimer-1

Bei der oralen Flüssigkeitstherapie sind 4 wichtige Punkte zu berücksichtigen:

a. Elektrolyte zum Flüssigkeitsausgleich

Wie der Name schon sagt, enthält die Elektrolytlösung Elektrolyte. Das sind essenzielle Ionen, wie Natrium, Kalium und Chlorid, die zum Ausgleich von Störungen im Wasser- und Elektrolythaushalt wichtig sind. So ist die Flüssigkeitsaufnahme aus dem Darm ins Blut abhängig von Natrium. Das heißt, dass Flüssigkeit nur aufgenommen werden kann, wenn Natrium im Darm vorhanden ist. Dasselbe gilt auch für die Aufnahme von Glukose. Glukose ist für die Zellen einer der wichtigsten Rohstoffe für die Energiegewinnung. Jedoch gelangt Glukose nur dann in die Zellen, wenn genügend Natrium vorhanden ist. Der Natriumgehalt sollte 80-120 mmol pro Liter Lösung sein1. Umso wichtiger ist es, dass Sie bei der Auswahl Ihrer Elektrolytlösung darauf achten, dass diese die richtige Menge Natrium enthält.

b. Ausgleich des Säure-Basen-Haushaltes 

Besonders wichtig ist bei Durchfall auch der Ausgleich des Säuren-Basen-Haushaltes. Denn es kommt bei Durchfall zu einer Übersäuerung des Blutes (pH-Wert sinkt unter 7,35) durch einen verstärkten Verlust von Salzen über den Darm. Um diese Übersäuerung abzupuffern sind neben Elektrolyten auch Puffersubstanzen in Form von Acetat, Formiat, Natriumbikarbonat, Citrat, Propionat oder Laktat wichtig. Es ist jedoch zu beachten, dass ein hoher Gehalt an Bikarbonat oder Citrat die Milchgerinnung hemmt und dadurch zu einer eventuellen Verschärfung des Durchfalls beim erkrankten Kalb führen kann2

Eine gute Elektrolytlösung hat ein hohes Potential, die Übersäuerung im Blut abzupuffern. Hierzu kann man den sogenannten SID-Wert heranziehen. Mit dem SID-Wert kann man die Wirksamkeit einer Rehydratationslösung bei der Bekämpfung einer Azidose vergleichen. Flüssigkeiten mit einem hohen SID Wert (70-80 mmol/l) sind am wirksamsten. 

c. Vermeidung von Energiemangel

Zusätzlich zum Elektrolytausgleich sollte die Rehydratationslösung eine Energiequelle für das Kalb in Form von Glukose oder Dextrose beinhalten. Diese Energieträger dienen zwar auch zur Energieversorgung des Kalbes, aber beim Durchfallkalb an erster Stelle dazu, die passive Aufnahme von Wasser aus dem Darm ins Blut zu erhöhen3. Denn Glukose ermöglicht erst den Natriumtransport in die Darmzellen, wodurch ein osmotischer Gradient erzeugt wird, der den Wassertransport aus dem Darmlumen ins Blut fördert. Für die effektive Aufnahme von Wasser aus dem Darm ist allerdings eine optimale Glukosekonzentration wichtig. Denn eine zu hohe Glukosekonzentration kann, durch eine Erhöhung des pH-Wertes im Labmagen, die Milchgerinnung hemmen. Auch wenn Glukose im Labmagen nicht aufgespalten wird und als Glukose im Dickdarm landet, kommt es dort zu einer Fehlgärung, wodurch wiederum Durchfall verursacht wird. Durch ein optimales Verhältnis der Inhaltsstoffe in Ihrer Elektrolytlösung können die Wasser- und Elektrolytverluste am schnellsten und effektivsten ausgeglichen werden. Die optimale Glukosekonzentration liegt zwischen 100-150 mmol/l Lösung1.

Zusätzlich unterstützt Glukose die Regeneration der geschädigten Darmwand durch eine Erhöhung der Durchblutung in der Darmwand4.
Es ist sehr wichtig, die Milchtränke während der Elektrolyttherapie fortzuführen, da kranke Kälber viel Energie benötigen, um die Krankheitserreger zu bekämpfen und Laktose die beste Energiequelle für junge Kälber ist. Deshalb sollten Sie darauf achten, dass Ihre Elektrolyttränke mit Milch kompatibel ist und keinen negativen Einfluss auf die Milchgerinnung hat.

 d. Die Milchgerinnung im Labmagen ist wichtig

Um den Durchfall nicht zu verschlimmern und eine optimale Flüssigkeits- und Nährstoffaufnahme über den Darm des Durchfallkalbes zu gewährleisten, ist es wichtig, dass die Elektrolyttränke die Milchgerinnung nicht beeinträchtigt. Einige Puffersubstanzen wie Natriumbikarbonat oder Citrat in zu hohen Mengen hemmen die Milchgerinnung. Auch ein zu hoher Gehalt an Glukose in der Elektrolyttränke hemmt die Milchgerinnung, erhöht das Risiko von osmotischem Durchfall und führt zu einer Fehlgärung im Dickdarm.

Auf die richtige Zusammensetzung kommt es an! 

Eine von Landwirten in ganz Europa sehr stark genutzte und bewährte Elektrolyttränke ist Rehydion Gel (SID Wert 75 mmol/l), welches kein Natriumbikarbonat oder Citrat sondern Acetat und Formiat enthält, welche die Milchgerinnung nicht beeinträchtigen und zusätzlich noch die Schmackhaftigkeit unterstützen.

Rehydion Gel ist hochkonzentriert und enthält die wichtigen Inhaltsstoffe in einem optimalen Verhältnis. Es lässt sich besonders leicht anmischen und kann daher auf viele verschiedene Möglichkeiten verabreicht werden. Einfach in Wasser, Milch oder Milchaustauscher einmischen. Oder – besonders geeignet für Mutterkuhkälber - einfach direkt ins Maul verabreichen.

Fragen Sie Ihren Tierarzt nach einem geeigneten Tränkeregime für Ihre Durchfallkälber! Ihr Tierarzt kann Ihnen helfen, die passende Elektrolytlösung auszuwählen.

Sie haben bereits bei der Geburt eine Menge Geld und Arbeit in ein Kalb investiert, deshalb sollten Ihre Kälber die beste Versorgung bekommen!
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Hier können Sie sich auch unsere Arbeitsanleitung zu Kälberdurchfall herunterladen!

Quellen: 

1Kaske, M., Kunz, H.-J. (2003): Handbuch Durchfallerkrankungen der Kälber. Osnabrück. Kamlage Verlag
2Heath, S.E., Naylor, J. M., Guedo, B. L., Petrie, L., Rousseaux, C. G., Radostits, O. M. (1989). The effects of feeding milk to diarrheic calves supplemented with oral electrolytes. Can J Vet Res. 53(4):477-85
3Rademacher G. (2011). Kälberkrankheiten: Ursachen und Früherkennung, neue Wege für Vorbeugung und Behandlung. 4., erw. Aufl. Stuttgart: Ulmer; 2011
4Flynn, W. J., Jr., Gosche, J. R. Garrison, R. N. (1992). Intestinal blood flow is restored with glutamine or glucose suffusion after hemorrhage. J Surg Res 52(5): 499-504