Diese Frage stellen wir uns immer wieder, wenn es mit dem Nachwuchs im Rinderstall nicht so recht funktionieren will. Der wirtschaftliche Erfolg im Kuhstall steht, wie uns aktuell wieder vor Augen geführt wird, in engem Zusammenhang mit der erfolgreichen Reproduktion unserer Rinderherde. Die Erhaltung und mögliche Verbesserung der Fruchtbarkeit spielen dabei eine entscheidende Rolle. 

Nun ist bis jetzt leider noch kein Meister vom Himmel gefallen und hat die allumfassende Antwort auf die Frage, wie denn eigentlich die optimale Fruchtbarkeit erreicht werden kann. Und das hat gute Gründe: Es gleicht einer Kunst, optimale Bedingungen zur Reduzierung von Fruchtbarkeitsproblemen zu schaffen, da diese sehr vielschichtig sind und eines guten Managements bedürfen. Brunstbeobachtung und Besamungszeitpunkt, Fütterung, genetische Gegebenheiten sowie Hygiene und Klimafaktoren haben großen Einfluss auf den Erfolg von Trächtigkeitsraten und Geburts- bzw. Nachgeburtsverhalten. 

Da die Fütterung nachgewiesenermaßen mit 30 % zu Buche schlägt, wollen wir uns ihr hier etwas näher widmen. Es lohnt sich, einmal mehr die Fütterung zu prüfen, um gesunde und fertile Kühe zu erhalten.
Wir kennen alle die Herausforderungen in den Betrieben, gutes und bedarfsgerechtes Futter herzustellen. Seien es klimatische Einflüsse wie Trockenheit oder betriebsspezifische Differenzen, die teilweise durch die strikte Trennung von Tier- und Pflanzenproduktion historisch verankert sind… der eine oder andere wird an diesem Punkt schmunzeln… 

Das Wichtigste ist natürlich - das wissen wir alle - ein einwandfreies, schimmelfreies, rohfaserreiches Grundfutter, welches die komplizierten Stoffwechselvorgänge in der Kuh optimal unterstützt und zu einer ausgewogenen Ernährung führt. Das Fütterungsmanagement und die Futterqualität entscheiden darüber, wie lange nach der Geburt die Kuh Gewicht verliert, sich also in einer negativen Energiebilanz befindet, und ab wann sie wieder Gewicht zulegt und somit in die positive Energiebilanz kommt. Man bezeichnet die Phase vor der Geburt bis nach der Geburt auch als Transitphase. Diese Phase ist entscheidend für die weitere Entwicklung, das Nachgeburtsverhalten und den zukünftigen Besamungserfolg. 

Im Folgenden werden wir auf Ursachen und Lösungsansätze für fütterungsbedingte Fruchtbarkeitsprobleme eingehen. Weiterführende Informationen erhalten Sie auch in dem Artikel: “Welche Faktoren beeinflussen die Fruchtbarkeit der Kuh?”.

Welche Ursachen liegen in fütterungsbedingten Fruchtbarkeitsproblemen?

Milchkühe auf der Weide

Die Ursachen für fütterungsbedingte Fruchtbarkeitsprobleme sind vielschichtig. Die oben erwähnte negative Energiebilanz der Kuh nach der Kalbung spielt dabei eine sehr entscheidende Rolle. Ihre Entstehung hat verschiedene Ursachen,  die in einer Nährstoffüberversorgung zum Ende der Laktation und in der Trockenstehzeit, schlechter Grundfutterqualität und nicht leistungsgerechter Kraftfutterzuteilung liegen können.1 

Folgen dieser Fütterung:

  • Stoffwechselstörungen wie Ketose und Milchfieber
  • ein Anstieg des Progesterongehaltes im Blut, welcher zu Stillbrunst und Zystenbildung führen kann.
  • Mangel von Struktur im Futter

Zu nasse Silagen sowie große Kraftfuttermengen wirken sich nachteilig auf den Stoffwechsel unserer Kühe aus. Er kann sowohl zu Übersäuerung (Azidose) und einer gesteigerten Anfälligkeit für Euterentzündungen als auch Gebärmutter- und Klauenerkrankungen führen. Ein Essigsäuremangel in der Rohfaser begünstigt einen Östrogenmangel, welcher ebenfalls eine Stillbrunst und eine verzögerte Follikelreifung nach sich zieht.
Nun ist es besonders wichtig zu wissen, dass wir die negative Energiebilanz als einen Selbstschutzmechanismus der Kuh wahrnehmen müssen, der verhindert, dass ihr Zyklus einsetzt, bevor die Energiebilanz ausgeglichen ist. Die Hormonausschüttung ist gestört und Follikel können sich nicht oder nur verzögert entwickeln. Die Kuh wird folglich nicht tragend. 

Wo liegt denn bitte die Lösung zur Verbesserung der Fruchtbarkeit? 

Was können wir also tun, um die Kuh dabei zu unterstützen, so schnell wie möglich eine positive Energiebilanz zu erreichen und sie somit schnellstmöglich in den Zyklus zu bringen?

Das Wichtigste ist, wie bereits erwähnt, eine Sicherung bester Grundfutterqualität zu jeglicher Zeit! Die Beobachtung der Kühe spielt ebenfalls eine große Rolle. So macht es Sinn, eine monatliche Beurteilung der Körperkondition vorzunehmen, um einer Verfettung vor der Abkalbung entgegenzuwirken und die Nährstoffversorgung anzupassen. Dabei ist eine Eingruppierung der Kühe in verschiedene Gruppen sinnvoll. In den meisten Betrieben nehmen wir diese bereits vor. Auch die Wiederkäueraktivität kann geprüft werden. Sie sollte zwischen 50 und 60 Kieferbewegungen pro Minute betragen.
In der Trockenstehzeit muss genug Raufutter zur Verfügung stehen, um das Pansenvolumen aufrechtzuerhalten. Heu sollte von bester Qualität sein und zur freien Verfügung stehen. Wenn es in die Mischration integriert ist, darf es nicht zu klein gehäckselt werden. Der Zuckergehalt des Heus wird oft unterschätzt und kann bei höheren Kraftfuttergaben den ph-Wert im Pansen negativ beeinflussen. In dem Falle sollte nicht nur sehr junges Heu gefüttert werden, da es höhere Zuckergehalte aufweist. Grassilagen mit einem Anwelkgrad von 35- 40 % Trockensubstanzgehalt sind optimal zur Fütterung geeignet. Auch eine Vorbereitungsfütterung drei Wochen vor und nach dem Abkalben hat sich in vielen Betrieben bewährt. 

Eine nicht zu verachtende Rolle bei der Fütterung spielen ebenfalls Vitamine und Mineralstoffe. Untersuchungen von Prof. Dr. Axel Wehrend haben gezeigt, dass besonders ein Mangel an ß- Carotin zu verzögerten Ovulationen führen kann. Auch Vitamin A, D und E sowie die Mengen- und Spurenelemente (Kalzium, Phosphor, Magnesium, Natrium, Zink, Kupfer, Mangan und Selen) sind elementar, um Nachgeburtsverhalten, Gebärmutterentzündungen und Frühaborte zu minimieren.2 

Liebe Leser, niemand behauptet, dass Fütterung einfach sei, aber die Lösung liegt in der Ausgewogenheit der Ration. Es gibt nicht DIE Ration, da jeder Betrieb unterschiedliche Voraussetzungen und Ressourcen hat, es gibt aber grundlegende Dinge, die wir beachten sollten.

Kuh schaut nach unten in Kamera

Wie sollte eine Ration aussehen?

  • Max. 20-25kg TM Aufnahme pro Kuh und Tag davon max. 14-16kg aus GF
  • Max. 50% davon sollen Kraftfutter sein
  • Mind. 50% davon sollen Grundfutter sein
  • Eine Kuh benötigt für die Produktion von 1 Liter Milch (4%Fett, 3,4%Eiweiß) 3,17MJ-NEL und 85 gr. Rohprotein
  • ausgewogenes Eiweiß-Energie Verhältnis
  • Futterwechsel langsam durchführen
  • vielfältig und ausgewogen
  • wiederkäuergerecht 


Fazit
Der Stoffwechsel der Kuh ist ein faszinierendes System, welches vielschichtig arbeitet und großer Aufmerksamkeit bedarf. 
Die Fütterung hat große Bedeutung für das Wohlbefinden und die Fruchtbarkeit der Tiere. Neben der Grundfutterqualität spielt vor allem die angepasste und bedarfsgerechte Fütterung eine große Rolle. 
Achten Sie auf ein ausgewogenes Eiweiß- Energie- Verhältnis und füttern Sie wiederkäuergerecht! Sorgen Sie gut und umsichtig für Ihre Tiere und schauen Sie lieber einmal mehr hin! Es lohnt sich! Bleiben Sie gesund und wachsam! Ihre Tiere werden es Ihnen danken!


Quellen:

1 Fütterungsbedingte Ursachen für Fruchtbarkeitsprobleme (LK Tirol)
2 Fütterung und Fruchtbarkeit: Wie hängt das zusammen? (Prof. Dr. Axel Wehrend Klinikum Veterinärmedizin Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und   Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz der JLU Giessen)