Grundvoraussetzung für die Fruchtbarkeit der Kuh ist selbstverständlich die normale, gesunde Ausbildung und Funktion aller Organe beim einzelnen Tier. In diesem Fall sollte der durch die vom Tier gebildeten Hormone gesteuerte Brunstzyklus ganz natürlich einsetzen. In der Praxis jedoch beeinflussen viele Faktoren diesen Zyklus entscheidend und können ihn hemmen oder sogar stoppen.

Allgemeine körperliche Konstitution der Kuh, Nahrungsangebot, Energie- und Nährstoffversorgung, Stress und Haltungsumfeld sowie Hygiene und gesundheitliche Belastungen oder Erkrankungen sind dabei die wesentlichen Einflussgrößen, die die individuelle Fruchtbarkeit eines Tieres und letztlich auch der ganzen Herde bestimmen. Als Landwirt haben Sie es in der Hand, optimale Bedingungen zu schaffen und negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit der Kühe zu reduzieren.

Fruchtbarkeit der Kuh verbessern: Einfluss von körperlicher Konstitution und Nahrungsaufnahme.

Ein ganz wichtiger Faktor für die gute Fruchtbarkeit ist die allgemeine körperliche Verfassung der Kühe und insbesondere die Fütterung. Wird zu wenig oder in mangelhafter Qualität gefüttert, entstehen Defizite in der Energie- und Nährstoffversorgung. Wird zu viel und zu energiereich gefüttert, kann die Kuh verfetten – beide Fälle vermindern die Fruchtbarkeit. Die Futterversorgung ist daher stets anzupassen und in guter Qualität sicherzustellen:

  • Futter dem Energiebedarf der Kuh anpassen
Vor allem in der Spätlaktation und anschließenden Trockenstehphase sollte die Fütterung der Kuh besonders beachtet werden: Während die Futteraufnahme hoch bleibt, sinkt tatsächlich der Energie- und Nährstoffbedarf des Tieres. Damit die Kuh nicht verfettet, und in guter Körperkondition bleibt, sollte die Ration angepasst werden. Der Energiegehalt kann gesenkt und der Rohfaseranteil gesteigert werden.

Dazu kann die Rückenfettdicke gemessen oder der Body Condition Score (BCS) bestimmt werden. In der Vorbereitungsfütterung, beginnend etwa 3 Wochen vor dem errechneten Kalbetermin, sollte die Ration angepasst werden und der Nährstoffgehalt steigen, um den wachsenden Bedarf von Kuh und Kalb zu decken.

  • Gute Futterqualität sorgt für hohe Futteraufnahme
Damit die Tiere das bereitgestellte Futter optimal verarbeiten können, sollte eine einwandfreie Qualität des Futters sichergestellt sein. Bei Silagen sollte möglichst wenig Schmutz eingetragen werden und auch Verunreinigung im Anschnitt, zum Beispiel durch Vogelkot, verhindert werden. Auch auf Schimmelbildung sollte geachtet werden: Futtermittel sollte grundsätzlich frei von Schimmel sein!

  • Gute Futteraufnahme in der Haltung sicherstellen
Darüber hinaus sollte in der Haltung darauf geachtet werden, dass die Kühe ungehinderten Zugang zu den Futterstellen haben. Überbelegungen können zu verminderter Futteraufnahme führen, so dass die körperliche Verfassung beeinträchtigt werden kann.

  • Trockenstehphase: Weidefütterung kontrolliert betreiben
In der ersten Phase der Trockenstehzeit kann auch die Weidefütterung in Frage kommen. Doch auch dann ist das junge Gras oft zu energiereich und die Versorgung mit Mineralstoffen nicht optimal. Zufütterung von Rohfaser wie Stroh ist nur schwer zu kontrollieren. Die Vorbereitungsfütterung sollte möglichst immer im Stall erfolgen.

  • Energiedefizite nach der Kalbung vermeiden

Nach der Kalbung besteht die Möglichkeit, dass die Kuh einen großen Verlust an Körpermasse verkraften muss, wenn die Energiezufuhr aus der Fütterung nicht optimal ist. In dieser Phase sollte daher eine hohe Futteraufnahme kontinuierlich sichergestellt sein, um Auswirkungen wie eine zu späte erneute Trächtigkeit zu vermeiden. Weisen Kühe in den Wochen nach der Geburt Defizite in der Energieversorgung auf, kommt es erst später zum ersten Eisprung als bei Kühen, die eine optimale Energiebilanz aufweisen.

Kuh beim Fressen auf der Weide

Stress und Gesundheitszustand beeinflussen die Fruchtbarkeit der Kuh.

Gesundheitlicher Zustand und Stressbelastungen haben ebenfalls Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit der Kuh. Erkrankungen, die insbesondere Entzündungen hervorrufen, wie zum Beispiel des Euters oder der Gebärmutter, spielen eine wichtige Rolle. Es werden Hormone und andere chemische Substanzen freigesetzt, die die Aufnahme einer Trächtigkeit verhindern können. Durch bakterielle Entzündungen werden außerdem Toxine gebildet, die ebenfalls den Hormonhaushalt stören. Ein weiterer Grund für Fruchtbarkeitsprobleme können Zysten an den Eierstöcken (Ovarialzysten) sein. Es ist daher wichtig, dass Sie als Landwirt eng und regelmäßig mit Ihrem Tierarzt zusammenarbeiten, um die Gesundheit der Tiere immer im Blick zu haben.

Darüber hinaus wirkt sich Stress bei Kühen ebenfalls auf deren Gesundheit und Fruchtbarkeit aus. Vermeiden Sie deshalb Überbelegungen in den Ställen, sorgen Sie für problemlos und ohne Konkurrenz erreichbare Futterstellen und stellen Sie durch ruhige, regelmäßige und gewohnte Abläufe ein stressfreies Umfeld für die Tiere sicher.

Hygienische Kalbung beugt Fruchtbarkeitsproblemen vor.

Auch die Kalbung selbst kann die Fruchtbarkeit der Kuh für die Folgezeit beeinflussen. Eine wesentliche Rolle spielen dabei die hygienischen Umstände der Kalbung. Empfehlenswert ist dazu die Nutzung einer Abkalbebox. Müssen Kühe in einer nicht sauberen Umgebung abkalben, können Sie unter Stress geraten und auch die Hygiene ist nicht optimal gewährleistet. In der Folge kann es zum Beispiel zu Gebärmutterentzündungen kommen, was wiederum die Trächtigkeitsrate vermindern kann. Wird die Kuh zum Abkalben rechtzeitig in einer Abkalbebox gehalten, findet das Tier eine stressfreie Umgebung vor und auch die hygienischen Umstände sind jederzeit kontrollierbar, so dass Infektionen bestmöglich vorgebeugt werden können.

Ihre Chance als Landwirt: Fruchtbarkeit der Kühe bestmöglich unterstützen!

Als Fazit lässt sich ziehen: Sie haben es als Landwirt zu einem großen Teil selbst in der Hand, die Fruchtbarkeit der Kühe in Ihrem Betrieb positiv zu beeinflussen, wenn Sie die Faktoren und ihre Auswirkungen kennen. Gehen Sie in Ihrem Betrieb systematisch vor und arbeiten Sie gezielt an den verschiedenen Faktoren. Beziehen Sie insbesondere bei den gesundheitlichen Faktoren unbedingt Ihren Hoftierarzt mit ein.

Einen Überblick zum Thema Fruchtbarkeit bei Kühen finden Sie in unserem Hauptartikel. Mehr Informationen zu den Fruchtbarkeitshormonen der Kuh finden Sie ebenfalls in einem weiteren Beitrag.