Der aufgeweckte Alois fragt seinen Vater: „Papa, was mögen Kühe lieber – Tot- oder Lebendimpfstoffe?“ Bauer Markus kratzt sich am Kopf - Wer hat dem Jungen bloß schon wieder solche Flausen in den Kopf gesetzt? „Weist du mein Junge, ob tot oder lebendig – was interessierts die Kuh?!“
„Die Kuh ist schlau und kann das genau unterscheiden!“ verteidigt Alois.

Wer hat denn nun Recht? Um dieser Frage nachzukommen, sollten wir verstehen, warum wir überhaupt impfen und was eine Impfung bedeutet.

Impfungen sind die Zukunft. Warum?

Seit Jahren wird über den Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung diskutiert und deren Einsatz unter immer strengere Auflagen gestellt.
Impfungen können Ausbrüche von Infektionskrankheiten verhindern und diese sogar vollständig ausrotten. Oftmals schützen sie nicht nur Tiere, sondern auch die Menschen in Ihrer Umgebung – nämlich immer dann, wenn es sich um Zoonosen handelt, also eine auf den Menschen übertragbare Krankheit.

Impfen ist also wichtig, weshalb es für einige Erkrankungen nicht umsonst eine Impfpflicht gibt. Bei Impfstoffen unterscheiden wir zwischen Tot- und Lebendimpfstoffen. Je nach Erkrankung ist nur die eine oder andere Art verfügbar bzw. wirksam. Bei einigen Erkrankungen hat man aber auch die Wahl zwischen einem Tot- und einem Lebendimpfstoff.


In diesem Artikel erfahren Sie:
  • Tot- oder Lebendimpfstoff – was heißt das eigentlich?
  • Die Vor- und Nachteile von Tot- und Lebendimpfstoffen kennenlernen
  • Impfstoffe kombinieren – ist das eine gute Idee?

Tot- oder Lebendimpfstoff – was heißt das eigentlich?

Eine Impfung dient generell immer dazu, das Immunsystem auf ein oder mehrere Erreger zu aktivieren. Diese Erreger werden benötigt, um bei einer späteren, zumindest viralen Infektion, das Andocken der Erreger an die Zellen zu vermeiden. So hat es die Erkrankung schwer sich festzusetzen und auszubrechen. Durch die Impfung werden Antikörper produziert. Bei einer Infektion verkürzt sich die Zeit, die das Immunsystem braucht, um auf den Erreger effektiv zu reagieren.

Ein Impfstoff wird als Totimpfstoff bezeichnet, wenn dieser aus einem teilweise abgetöteten oder vollständig abgetöteten Krankheitserreger(n) besteht. Totimpfstoffe werden daher auch als inaktivierte Impfstoffe bezeichnet.

Beim Einsatz eines Lebendimpfstoffs wird das Tier hingegen mit einem lebenden Erreger infiziert.
Die Erregerdosierung enthält keine krankmachenden Eigenschaften mehr oder aber ist so niedrig, dass die Krankheit im Tier selbst nicht ausgelöst werden kann. Diese Impfstoffart wird daher auch als attenuierter Lebendimpfstoff, also als abgeschwächter Impfstoff, bezeichnet.

Mehr zum inaktivierten Lebendimpfstoff gegen Q-Fieber lesen Sie hier.

Kühe wiederkäuend auf Weide

Was ist besser – ein Tot- oder ein Lebendimpfstoff?

Generell ist es vom Erreger abhängig, ob ein Tot- oder ein Lebendimpfstoff überhaupt verfügbar ist. Bei manchen Erregern bildet das Tier keinen ausreichenden Impfschutz in der einen oder anderen Form.

Ein Lebendimpfstoff hat 2 Herausforderungen: Der Erreger muss der Krankheit möglichst ähnlich sein, darf aber das Tier und seinen Organismus nicht schädigen.
Sie haben den Vorteil, dass der Impfschutz nach einer Grundimmunisierung mehrjährig und oft auch lebenslang anhält. Als Nachteil können die kühle Lagerung und eine kürzere Haltbarkeit gesehen werden.
Totimpfstoffe weisen meist weniger Nebenwirkungen auf, haben aber in der Regel einen kürzeren Impfschutz.
Lebendimpfstoffe sind eher Virusimpfstoffe, Totimpfstoffe vorwiegend bakterielle Impfstoffe.
Zur Bekämpfung der Rinderflechte beispielsweise sind beide Impfstoffarten verfügbar.
Welcher Impfstoff bei welcher Erkrankung für Ihren Betrieb geeignet ist, besprechen Sie am besten mit Ihrem Tierarzt.

Mehr zur Behandlung der Rinderflechte erfahren Sie hier.

Aber eine Frage ist noch ungeklärt:

Kann ich beide Impfstoffe gleichzeitig impfen?

Kuh muht mit Glocke um Hals

In der Praxis werden Impfungen häufig gebündelt – sei es, um Zeit und Kosten zu sparen oder, um den Tieren weniger Stress auszusetzen. Zudem gibt es manchmal einen gewissen Termindruck, wenn beispielsweise ein Tierverkauf oder ein Umstallen ansteht.

Grundsätzlich geben wir zu Bedenken, dass eine Impfung immer eine große Belastung für das Immunsystem der Kuh oder des Kalbes ist, weshalb Mehrfachimpfungen vermieden werden sollten.

Wichtig zu wissen, wenn sich eine Mehrfachimpfung nicht vermeiden lässt:

  • Wenn Sie einen Totimpfstoff Injizieren, ist kein Zeitabstand zu anderen Impfstoffen notwendig.
  • Wenn Sie einen Lebendimpfstoff Injizieren ist es ratsam, zwischen der Verabreichung zweier Lebendimpfstoffe einen Abstand von 4 Wochen einzuhalten.

Impfen in jedem Fall

Zusammenfassend können wir festhalten, dass Lebendimpfungen als effizienter angesehen sind, da sie einen längeren Impfschutz bieten. Totimpfstoffe bringen aber weniger Nebenwirkungen mit sich. Eine Impfung ist immer eine große Belastung für das Immunsystem. Daher ist es ratsam, kombinierte Impfungen zu vermeiden.

Ohne Kalb weder Milch noch Fleisch – und damit das wirtschaftlich und tierschonend gelingt, steigern wir mit Impfungen die Lebenseffektivität aber auch die Lebensqualität von Kühen. Bei beiden Impfstoffvarianten können Kälber bereits mit der Biestmilch Antikörper aufnehmen, wenn das Muttertier geimpft ist.
Die Kühe danken es Ihnen mit einer gesteigerten Milchleistung und somit einem größeren wirtschaftlichen Erfolg für Ihren landwirtschaftlichen Betrieb.
Erarbeiten Sie mit Ihrem Tierarzt ein Impfkonzept, um sich und Ihre Tiere zu schützen.

Hier erhalten Sie einen Überblick zu den Impfleitlinien für kleine und große Wiederkäuer.