Neulich im Supermarkt an der Kasse. Während ich meine Einkäufe aufs Band lege, höre ich ein kleines Mädchen hinter mir: „Mama, was ist Fieber?“
Die geduldige Stimme ihrer Mutter antwortet: „Eine Erhöhung der Körpertemperatur…“

„Was ist die Körpertemperatur?“

Noch immer geduldig: „Die Temperatur, die in deinem Körper herrscht, damit Stoffwechselvorgänge optimal ablaufen.“

„Wie weiß ich denn, dass ich Fieber habe?“

Leider konnte ich die Antwort nicht mehr hören, da ich mit meinem Einkauf auf dem Weg nach draußen war, aber ich fing an, mir ähnliche Fragen zu stellen:

  • Was ist eigentlich Fieber?
  • Wie entsteht Fieber?
  • Woran erkenne ich Fieber beim Kalb?
  • Warum hilft mir das im Kälberstall?
  • Wieso ist das für mich und den Tierarzt wichtig?


Wenn für Sie diese Fragen auch interessant sind, finden Sie meine Antworten hier im Blog.

Was ist eigentlich Fieber?

Und so greife ich zum Smartphone, google Fieber - und lande bei Wikipedia.

Und so erklärt Wikipedia Fieber1:
„Das Fieber (lateinisch Febris) oder die Pyrexie ist ein Zustand erhöhter Körperkerntemperatur mit einem Missverhältnis zwischen chemischer Wärmebildung und physikalischer Wärmeabgabe, der meistens als Begleiterscheinung der Abwehr gegen eindringende Viren, lebende Mikroorganismen oder andere als fremd erkannte Stoffe auftritt sowie als Begleiterscheinung bei bestimmten, insbesondere bösartigen Tumoren, Traumata oder seltener im Rahmen anders verursachter Entzündungsvorgänge vorkommt. Die hiermit verbundenen Vorgänge beruhen auf komplexen physiologischen Reaktionen, zu denen unter anderem eine pyrogenvermittelte, vom Organismus aktiv herbeigeführte, geregelte und begrenzte Erhöhung der Körperkerntemperatur gehört.“

Eigentlich also genau das, was die Mutter dem Mädchen erklärt hatte.

Und diese Reaktion zeigen nicht nur wir Menschen, sondern, wie in unserem Fall, auch die Kälber. Wenn Ihre Kälber also fiebern, zeigt es Ihnen, dass ihr Körper gegen etwas ankämpft!

Was mich zur zweiten Frage führt:

Wie entsteht Fieber?

Milchkalb im Stallaußengehege
Fieber entsteht infolge einer Temperatursollwertänderung im hypothalamischen Wärmeregulationszentrum, beruht also auf einer gesteigerten Erregung und Erregbarkeit des Wärmezentrums im Zwischenhirn durch pyrogene Stoffe.1

Ah ja…
Es handelt sich also um einen komplizierten Vorgang, der im Hirn gesteuert wird. Im Rahmen der Immunantwort werden durch erhöhte Temperaturen die Fähigkeiten unserer Abwehrzellen (Granulozyten, Makrophagen und Lymphozyten) verbessert.
Fieber ist demnach ein Indiz dafür, dass unsere körpereigene Abwehr einen Infekt erkannt hat. Also keine Krankheit an sich, sondern nur ein Hinweis darauf.

Woran erkenne ich Fieber beim Kalb?

Comic Tierarzt misst Fieber bei der Kuh
Da mich Fieber hier nicht beim Menschen, sondern beim Kalb interessiert, fangen wir mit den Grundlagen an:
  • Normaltemperatur beim Kalb: 38,0-39,5°C
  • Atmung 16-50 Atemzüge/Minute

Wenn ich im Kälberstall stehe, fällt mir vielleicht ein Kalb auf, weil es mit hängenden Ohren dasteht. 
Vielleicht liegt eine anderes auch nur apathisch herum.
Andere wieder husten.
Oder ihnen läuft der Rotz aus der Nase.
Vielleicht hat ein Kalb auch struppiges Fell und ein verklebtes Hinterteil.
Oder es hat Hautveränderungen und juckt sich.

Wenn ich genau hinschaue, kann ich sehr schnell Unterschiede im Verhalten und Aussehen der Tiere erkennen, die auf eine Erkrankung hinweisen.
Doch um zu wissen, ob die Kälber Fieber haben, gibt es nur eine sichere Methode: MESSEN!
Denn nur dann weiß ich genau, was in dem Tier vor sich geht - kämpft der Körper gegen die Infektion, verliert er oder hat er sogar schon aufgegeben?

All das erfahre ich durch den einfachen Vorgang des Fiebermessens.

Denn wie schon erwähnt, Fieber ist keine Erkrankung, sondern zeigt nur, dass und wie ein Körper versucht, mit Krankheitserregern klar zu kommen.

Warum hilft mir das im Kälberstall?

Landwirt mit Tierarzt im Kälberstall
Jetzt messe ich bei den Kälbern, die mir vorhin aufgefallen sind, die Temperatur. Und siehe da:

  • das Kalb mit den Hängeohren hat 40,1°C
  • Das Apathische 36,8°C
  • Die „Hustenden und Rotzenden“ zwischen 38,8 und 39,9°C
  • Das mit dem struppigen Fell 38,2°C
  • Das mit den Hautveränderungen 38,9°C


Und jetzt - mit der gemessenen Temperatur - kann ich auch einschätzen, in welchem Stadium der Infektion sich die Tiere befinden.

Hohes Fieber: Meist durch Viren ausgelöste Infektion, seltener durch Bakterien

Erhöhte Temperatur:  Beginn einer Virusinfektion, bakterielle Infektion oder schon wieder Abklingen der Infektion (körpereigene Abwehr war erfolgreich)

Normaltemperatur: Mögliche Infektion mit Pilzen oder Parasiten (Lesen Sie hier unseren Beitrag zu Hautkrankheiten beim Rind)

Untertemperatur: Die körpereigene Abwehr hat den Kampf verloren und gibt auf.

Und all das habe ich erfahren, nur, weil ich die Temperatur gemessen habe.

Wieso ist das für mich und den Tierarzt wichtig?

Je nach Temperatur lassen sich mit dem Tierarzt zusammen schon erste
Rückschlüsse auf das jeweilige Krankheitsstadium des Kalbes schließen.
Besonders bei Rindergrippe gilt es früh zu handeln, um Langzeitschäden zu vermeiden.
Hierbei hilft Ihnen auch unser Punktesystem zur Erkennung der Rindergrippe.

Und auch bei Durchfallerkrankungen ist die Körpertemperatur ein wichtiger Hinweis auf die zugrundeliegenden Verursacher und/oder die Schwere der Erkrankung. Eine Arbeitsanleitung zur Erkennung und Behandlung von Kälberdurchfall erhalten Sie hier.

Diese Überlegungen bringen mich wieder zurück zu dem mitgehörten Gespräch: Wahrscheinlich war auch die Antwort der inzwischen wohl leicht genervten Mutter: „Indem ich das Fieberthermometer hole und deine Temperatur messe…“

„Und woher weiß das Thermometer das?????“

Das ist eine völlig andere Frage und gehört nicht in diesen Blog.

Quelle:
1 Wikipedia